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Eklatante Managementfehler können auch gute Projekte kläglich scheitern lassen

Liebe Leser, an diesem Wochenende werden wir Ihnen in einer kleinen Serie von zwei Artikeln erneut ein interessantes Lithiumprojekt vorstellen. Aber Vorsicht! So interessant das Projekt unzweifelhaft ist, so sehr muss man doch zugeben, dass die Leistung des Managements schlicht zum Haareraufen ist. Konkret geht es um das San-José-Lithium-Projekt von Infinity Lithium.

Es gilt als Europas zweitgrößtes Lithium-Hartgestein-Projekt und wird auf der Webseite des Unternehmens derzeit als das „The Most Technically Advanced Battery Grade Lithium Project in the EU“ gepriesen. Doch der Widerstand in Europa gegen Lithiumprojekte ist groß. Rio Tinto weiß in Serbien ein Lied davon zu singen.

Auch im spanischen Cáceres regt sich Widerstand. Hier sollen nach den Plänen von Infinity Lithium nicht nur eine besonders umweltfreundliche Mine entstehen, sondern in der Region soll auch das Lithium aufgearbeitet werden und eine Batterieproduktion entstehen. Damit will die Regierung in Madrid einen Standortvorteil für die spanische Automobilindustrie schaffen.

Das Wort Mine spaltet die Bevölkerung

Ob es dazu kommen wird, bleibt ungewiss, denn das Projekt spaltet die lokale Bevölkerung, obwohl es in der Zwischenzeit deutlich modifiziert wurde. Zunächst sahen die Pläne einen Tagebau vor, denn das Lithium liegt nur in Tiefen von rund 40 Meter. Nun soll die Mine als Untertagemine errichtet werden. Mehr als das Portal zur Einfahrt in den Tunnel sei dann nicht mehr zu sehen, behauptet Infinity Lithium.

Aufbereitet wird das geförderte Lithium aber dennoch oberirdisch. Ein geeigneter Standort für die großen Hallen muss aber noch gefunden werden. Entgegengekommen ist das Unternehmen der protestierenden Bevölkerung jedoch auch beim Verfahren, mit dem das Lithium aufbereitet werden soll.

Traditionell kommt an dieser Stelle Schwefelsäure zum Einsatz. Mit ihr ist es möglich, über 90 Prozent des enthaltenen Lithiums zu gewinnen. Infinity Lithium will das begehrte Metall nun mit Hilfe von anderen Sulfaten aus dem Gestein herauslösen. Dadurch sinkt zwar der Anteil des gewonnenen Lithiums auf nur noch rund 50 Prozent, doch eine Produktion ist dank des stark gestiegenen Lithiumspreises immer noch profitabel.

Möglich macht dies der extrem gestiegene Lithiumpreis. Er liegt derzeit bei 70.000 Euro je Tonne. Innerhalb eines Jahres hat er sich mehr als verfünffacht, nachdem Anfang 2021 eine leichte Abwärtsbewegung bei den Lithiumnotierungen beendet werden konnte. Infinity Lithium kalkuliert für seine eigenen Berechnungen mit einem Preis von lediglich 17.000 Euro, während das Management langfristige Preise im Bereich von 30.000 Euro für realistisch hält.

Das vorhandene Lithium reicht für 27 Jahre

Gearbeitet werden soll mit einem geschlossenen Wasserkreislauf. Es werde daher kein Grundwasser benötigt, sondern auf lediglich auf das Abwasser aus der städtischen Kläranlage zurückgegriffen. Die Öfen für das Aufbereitungswerk sollen mit Wasserstoff betrieben werden, der mittels Sonnen und Windenergie erzeugt wird, und in der Mine selbst sollen nur Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen.

Die Befürworter der Mine in Cáceres versprechen sich von dem Projekt 10.000 Arbeitsplätze. Für eine Region, in der die Arbeitslosigkeit bei über 16 Prozent liegt, wären das eigentlich recht attraktive Aussichten. In der Phase des Aufbaus der Mine würden etwa 1.000 Arbeitsplätze entstehen, danach während des Lithiumabbaus werden 250 Arbeiter im Abbau und weitere 450 in der Aufbereitung des Lithiums benötigt. Diese Arbeitsplätze dürften der Stadt lange erhalten bleiben, denn das Minenleben wird derzeit auf 27 Jahre veranschlagt.

Für die meisten Stellen werden überwiegend qualifizierte Arbeitnehmer benötigt, weshalb Infinity Lithium auch eine Kooperation mit der Universität Cáceres anstrebt. Neben den Arbeitsplätzen werde der geplante Lithiumabbau 2,4 Milliarden Euro an Steuereinnahmen generieren. Rund die Hälfte von ihnen werde die Zentralregierung in Madrid einnehmen, die andere Hälfte verbliebe in der Region.

Das alles klingt recht gut, doch ob das Projekt am Ende tatsächlich verwirklicht werden wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Im zweiten Teil unserer kleinen Serie werden wir uns deshalb morgen mit der Frage beschäftigen, welche Widerstände dem Projekt entgegengebracht werden und dabei auch der Frage nachgehen, warum Infinity Lithium an ihrem Aufkommen nicht ganz unschuldig ist.

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