China sitzt am längeren Hebel: Trumps Rohstoff-Plan droht zu scheitern

Fünf Monate bis zur Rohstoff-Lücke
Ab dem 1. Januar 2027 sollen US-Rüstungsfirmen und andere Hersteller keine Seltenen Erden, Magnete, Wolfram, Molybdän oder Tantal mehr aus China, Russland, Iran oder Nordkorea kaufen. Das Ziel ist klar: weniger Abhängigkeit bei Waffen, Autos, Computern und strategischer Industrie.
Doch die Frist kommt schneller als die Lieferketten wachsen. Washington hat solche Importverbote schon früher beschlossen, aber immer wieder Ausnahmen erlaubt. Der Grund war simpel: Die USA konnten den Bedarf nicht selbst decken. Genau dieses Problem ist jetzt größer als die politische Ansage.
Die Zahl, die Trumps Plan sprengt
Der wichtigste Engpass zeigt sich bei Magneten aus Seltenen Erden. 2025 brauchten die USA rund 48.000 Tonnen der gängigsten Magnetart. Aus heimischen Quellen kamen nur 300 Tonnen. Bis Jahresende könnten US-Firmen laut Arthur D. Little auf 5.000 Tonnen Kapazität kommen.
Das gleiche Muster ist bei Antimon seit Jahren zu beobachten. Auch dieser Rohstoff steckt in Waffen, Akkus und Hightech, doch China dominiert zentrale Teile der Lieferkette. 2024 lieferte das Land laut Reuters rund 48 Prozent der weltweiten Minenproduktion und mehr als 70 Prozent der Antimon-Oxid-Produktion. Duane Parnham, Gründer, Executive Chairman und CEO von Critical One Energy, bemängelt genau diese Abhängigkeit: Kanada könne ein Schlüssel zur Lösung der globalen Antimonversorgung sein. Genau dort liegt das Nadelöhr. Die USA besitzen viele Rohstoffreserven. Was fehlt, ist die industrielle Maschine dahinter.

China kontrolliert den entscheidenden Schritt
China dominiert nicht nur den Abbau vieler Rohstoffe, sondern vor allem die Verarbeitung. Mehr als 80 Prozent der Raffineriekapazität liegen laut Reuters in chinesischer Hand. Damit sitzt Peking an der Stelle, an der aus Gestein strategische Macht wird.
Die Internationale Energieagentur warnte im Juli, dass weltweit Produktion im Wert von 6,5 Billionen Dollar gefährdet sein könnte, falls China seine Exportbeschränkungen für Seltene Erden verschärft. Peking hat solche Maßnahmen in den vergangenen Jahren wiederholt als Druckmittel eingesetzt. Mehr zu den möglichen Folgen haben wir im Artikel „Wie China die nächste Weltwirtschaftskrise auslösen könnte“ dargestellt.

Ausnahmen werden zum politischen Sprengsatz
Trump wetterte im Mai auf Truth Social gegen Sondergenehmigungen und schrieb, alle Bundesbehörden müssten amerikanisch kaufen. Am Montag verschärfte er per Dekret die Regeln für Rüstungsfirmen. Solche Ausnahmen sollen nur noch möglich sein, wenn ein Unternehmen umfassend nachweist, dass es chinesisches Material wirklich nicht vermeiden kann.
Doch Branchenkenner sehen kaum eine Chance, die Lücke bis Januar zu schließen. Der Rohstoffanalyst Chris Berry sagte, es werde viele weitere Jahre dauern, die nötige Infrastruktur aufzubauen. Genau deshalb rücken Projekte außerhalb Chinas stärker in den Fokus. Duane Parnham von Critical One Energy sieht Kanada als möglichen Schlüssel für die Antimonversorgung, weil sein Unternehmen mit Howells Lake eines der größten unentwickelten Antimon-Vorkommen Nordamerikas erschließen will. Damit steht Washington vor einer unbequemen Wahl: politische Härte zeigen, neue Partner schneller einbinden oder funktionierende Lieferketten sichern.
Neue Minen kommen zu spät
Bei Wolfram haben die USA seit 2015 nichts mehr produziert. Tantal wurde zuletzt 1959 im Land gewonnen. Guardian Metal Resources arbeitet an einer US-Wolframmine, die frühestens 2028 öffnen soll. Lion Rock Resources entwickelt ein Tantalprojekt in South Dakota, nennt aber noch keinen Starttermin.
Auch neue Raffinerien brauchen Zeit. Ucore Rare Metals wollte bereits 2025 mit der Verarbeitung beginnen. Nun rechnet Firmenchef Pat Ryan frühestens 2027 mit Teilen der Produktion. Seine Einschätzung klingt wie eine Warnung: Die gesamte Lieferkette bis 2027 aufzubauen, sei ein harter Kampf.
Neue Minen brauchen häufig 10 bis 30 Jahre, um von der Exploration bis zur Produktion zu gelangen. Wer solche Zusammenhänge früh versteht, kann Entwicklungen besser einordnen und Chancen rechtzeitig erkennen. Genau dieses Wissen vermitteln wir in unserer Academy. Jetzt kostenlos starten.
Lager lösen nicht das Grundproblem
Im Februar startete die Trump-Regierung „Project Vault“, ein 12-Milliarden-Dollar-Programm zum Aufbau strategischer Rohstofflager. Im April räumten Regierungsvertreter ein, dass die USA zunächst Rohstoffe aus der ganzen Welt kaufen müssten, auch aus China.
Trumps Rohstoffpolitik trifft einen wunden Punkt: Die USA wollen strategische Unabhängigkeit, aber die industrielle Basis dafür fehlt noch. Geld, Dekrete und Druck können Minen nicht über Nacht öffnen und Raffinerien nicht in Monaten perfektionieren.
Der Januar 2027 wird deshalb zum Test. Entweder Washington hält an der Frist fest und riskiert Engpässe in kritischen Industrien. Oder die Regierung erlaubt weiter chinesische Rohstoffe und gesteht damit ein, wie tief die Abhängigkeit wirklich reicht. Die eigentliche Erkenntnis ist unbequem: Rohstoffmacht entsteht nicht durch Verbote, sondern durch Jahre harter Industriearbeit.
Ohne Partner bleibt die Rohstoffwende Theorie
Ohne starke Partner wird der Aufbau eigener Lieferketten schwierig. Genau deshalb ist die Beteiligung von Newmont an Metallic Minerals so relevant. Wenn einer der größten Gold- und Kupferkonzerne der Welt rund 9,5 Prozent an einem Explorer hält, ist das mehr als ein Finanzsignal. Es zeigt, dass große Rohstoffkonzerne wieder früher in Projekte einsteigen, bevor der Engpass wirklich zuschlägt.
Metallic Minerals bringt dafür ein Argument mit, das in der aktuellen Rohstoffdebatte besonders schwer wiegt: ein strategisches Multi-Metall-Projekt in den USA. Das La-Plata-Projekt in Colorado umfasst Kupfer, Silber, Gold und Platinmetalle und liegt damit genau in dem Markt, in dem Washington eigene Lieferketten stärken will. CEO Greg Johnson sieht das Unternehmen entsprechend gut aufgestellt. Er verweist darauf, dass Newmont seit 2023 strategischer Aktionär sei und Metallic von der Zusammenarbeit mit dessen technischem Team profitiere. In einer Lage, in der sich der Westen zu lange auf China verlassen hat, kann genau diese Kombination entscheidend werden: ein US-Projekt, ein erfahrener Rohstoffmanager und ein globaler Partner im Rücken.

