Zinsen für Spareinlagen seit 50 Jahren auf dem Sinkflug
Wer sein Geld auf dem klassischen Sparbuch parkt, muss sich schon seit einigen Jahren mit einer sehr geringen Verzinsung zufrieden geben. Im Jahr 2022 etwa lag der durchschnittliche Zinssatz auf Spareinlagen bei lediglich 0,1 Prozent – wie schon in den Jahren 2019, 2020 und 2022. Bereits vor zehn Jahren waren die durchschnittlichen Zinsen auf Einlagen bei Sparkonten erstmals unter ein Prozent gefallen. Grund dafür war die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009.
Zinsen für Spareinlagen auf historisch niedrigem Niveau
Aber schon vor der besagten Krise war der Trend zu sinkenden Zinsen – zumindest bei den Spareinlagen – deutlich zu erkennen. So näherte sich der Zinssatz für diese Art der Geldanlage bereits Anfang des Jahrhunderts an die Grenze von lediglich einem Prozent an, bevor dieser in einem Ausreißer zwischen den Jahren 2005 und 2009 wieder auf knapp über zwei Prozent kletterte.
Wie aus dem unten stehenden Chart ersichtlich ist, schwenkten die Zinsen für Spareinlagen bald darauf schon wieder auf den seit nahezu 50 Jahren anhaltenden Sinkflug ein und haben sich seither auf einem historisch niedrigen Niveau eingerichtet – was teils sogar zu negativen Zinsen, auch Strafzins genannt, führte. Von Zinsen, die weit über vier Prozent wie anno 1975 lagen, kann der heutige Sparer nur träumen.
Zinswende schlägt nicht auf Spareinlagen durch
All dies hat sparwillige Deutsche jedoch nicht davon abgehalten, weiter auf das ihnen vertraute Sparbuch zu setzen. Eine Geldanlage auf dem Sparbuch war trotz des bis Mitte 2022 anhaltenden historisch niedrigen Zinsniveaus bei den Deutschen weiterhin beliebt. Zwar setzte aufgrund der Inflation im vergangenen Jahr die Zinswende ein und die EZB hob seither die Leitzinsen in mehreren Schritten mittlerweile auf 4,25 Prozent an, was dem höchsten zentralen Leitzins in der Geschichte der EZB entspricht.
Auf die Verzinsung der Spareinlagen haben diese Maßnahmen allerdings bislang nicht durchgeschlagen. Noch sind die Geschäftsbanken hierzulande und in Europa offenbar nicht bereit, die inzwischen beispiellos gestiegenen Zinssätze an ihre Kunden weiterzugeben. Prognosen gehen von einem zeitlichen Versatz von mindestens zwei Jahren aus, bis sich die nominalen Zinsen auf Spareinlagen dem neuen Umfeld anpassen. Bis dahin kommt eine Geldanlage auf dem Sparbuch weiterhin einer Geldentwertung gleich.