USA greift durch: Rohstoffkrieg beginnt - diese Metalle sind jetzt kritisch

Ein strategisches Signal aus Washington
Die US Geological Survey (USGS) hat einen Entwurf veröffentlicht, der die Liste kritischer Mineralien der Vereinigten Staaten neu definiert. Neben traditionellen Rohstoffen wie Rhenium oder Potash sollen nun auch Kupfer, Silber und Platin aufgenommen werden. Damit steigt die Zahl der gelisteten Rohstoffe auf 54.
Diese Liste wurde 2017 unter Präsident Donald Trump erstmals eingeführt und ist seitdem ein zentrales Instrument der amerikanischen Rohstoffpolitik. Kritische Mineralien gelten in den USA als solche, die für Wirtschaft und nationale Sicherheit unentbehrlich sind, deren Versorgung jedoch potenziell gefährdet ist. Aus Regierungskreisen wurde betont, dass die Stärkung von Amerikas wirtschaftlicher und nationaler Sicherheit bedeute, die Ressourcen zu sichern, die die Lebensweise des Landes antreiben. Deutlich wird damit zugleich, dass die Problematik der Abhängigkeit von Rohstoffimporten nun auch in den USA vollends angekommen ist - eine Entwicklung, vor der auf axinocapital.de seit Jahren gewarnt wird und die auch Europa potenziell bedroht.
Kupfer als geopolitischer Hebel
Kupfer stand schon lange im Fokus der Industrie, war bislang aber nicht Teil der offiziellen Liste. Die Gründe für seine Aufnahme liegen auf der Hand: Kupfer ist unverzichtbar für die Energiewende, den Ausbau von Stromnetzen, Elektromobilität und digitale Infrastruktur.
Adam Estelle, Präsident der Copper Development Association, erklärte: „Die USA müssen eine ‚All-of-the-above'-Strategie umsetzen, die Bergbau, Recycling und Handel mit verlässlichen Partnern kombiniert, um den erwarteten Nachfrageboom bis 2035 zu bewältigen." Gleichzeitig verweist Estelle auf geopolitische Spannungen: Chinas marktverzerrende Praktiken hätten den Zugang der US-Produzenten zum Weltmarkt erschwert. Damit wird Kupfer nicht nur zu einem industriellen, sondern auch zu einem politischen Rohstoff.
Silber: Von Schmuck zum Hochtechnologie-Metall
Besonders für viele überraschend ist die Aufnahme von Silber in die Liste kritischer Mineralien. Lange galt es vor allem als Edelmetall und Wertspeicher. Doch mit seiner hohen Leitfähigkeit und den vielfältigen Anwendungen in Solarmodulen, Batterien und medizinischen Technologien war schon seit Jahren absehbar, dass Silber eine strategische Schlüsselrolle einnehmen wird. Nun zeigt sich deutlich, dass nicht nur der Preis, sondern auch die politische Debatte in den USA zunehmend vom strukturellen Angebotsdefizit geprägt wird.
Zwischen 2021 und 2024 hat sich am globalen Silbermarkt bereits ein gefährliches Ungleichgewicht aufgebaut: Während die Nachfrage, insbesondere aus der Industrie, ungebremst wächst, blieb das Angebot deutlich zurück. Laut den vorliegenden Daten summiert sich das Angebotsdefizit für diesen Zeitraum auf rund 796 Millionen Unzen - ein Volumen, das fast der gesamten weltweiten Jahresproduktion entspricht. Wird die Schätzung für 2025 berücksichtigt, steigt die kumulierte Marktbilanz, inklusive börsengehandelter Produkte, sogar auf 837,6 Millionen Unzen.

Platin und die Rolle der strategischen Vielfalt
Auch Platin soll neu in die Liste aufgenommen werden. Das Edelmetall ist für Katalysatoren, Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologien von zentraler Bedeutung. Angesichts geopolitischer Risiken in Förderländern wie Südafrika und Russland dürfte Washingtons Entscheidung auf eine gezielte Diversifizierung hinauslaufen. Die USGS unterstreicht, dass es weniger um heutige Engpässe gehe, sondern um präventive Risikobewertung. Laut Direktorin Sarah Ryker wurden mehr als 1200 mögliche Handelsszenarien analysiert. „Mit dieser Methodik können wir genau erkennen, welche Industrien am stärksten betroffen wären und wo gezielte Investitionen Risiken mindern könnten", erklärte sie.

Dass diese Vorsicht berechtigt ist, zeigt ein Blick auf die globalen Lagerbestände: FGlobal Platinum Vault Stocks 1993 to 2022; Im Juli 2025 meldeten die CME-COMEX-Tresore in New York einen Zugang von 290.000 Unzen Platin, der überwiegend aus London abgezogen wurde. Gleichzeitig wurde bekannt, dass ETF-Bestände um 350.000 Unzen reduziert worden waren und die Londoner Leasingraten für Platin plötzlich auf über 40 % gestiegen sind. Die Londoner Märkte mussten das Metall in kürzester Zeit auf allen erdenklichen Wegen beschaffen, um überhaupt liefern zu können.
Zwei unabhängige Datenpunkte deuten damit darauf hin, dass der Londoner Platinmarkt faktisch über keine nennenswerten physischen Bestände für Lieferungen mehr verfügt. Marktbeobachtern zufolge ist dies ein deutliches Warnsignal: Sollte die industrielle Nachfrage weiter anziehen oder geopolitische Lieferkettenstörungen auftreten, könnte die Preisbildung zunehmend durch Knappheitsprämien und Panikkäufe geprägt werden. Damit würde Platin nicht nur zu einem strategischen Metall für die Energiewende, sondern auch zu einem geopolitischen Risikofaktor, dessen Verfügbarkeit kurzfristig kaum mehr garantiert werden kann.er Leasingraten für Platin plötzlich auf über 40 % gestiegen sind.
Trump, BHP und Rio: Das Tauziehen um Resolution Copper
Dass Kupfer nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der politischen Praxis enorme Bedeutung hat, zeigte sich letzte Woche im Weißen Haus. Präsident Trump kümmerte sich persönlich um das Thema und empfing die Spitzen von BHP und Rio Tinto, die gemeinsam das Resolution-Copper-Projekt in Arizona entwickeln wollen - ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert die US-Regierung diesem Rohstoff inzwischen beimisst.
Hervorgehoben wurde dabei, dass Resolution Copper eine der größten unerschlossenen, hochgradigen Kupferressourcen der USA darstelle und das Projekt Tausende Arbeitsplätze schaffen sowie Milliarden an wirtschaftlicher Wertschöpfung generieren könne. Gleichzeitig tobt jedoch ein juristischer Streit: Ein Berufungsgericht blockierte jüngst die geplante Landübertragung an das Projekt. Trump reagierte empört auf seiner Plattform Truth Social - ein weiteres Beispiel dafür, wie stark Rohstoffpolitik inzwischen politisiert ist.

Newmont setzt auf Explorer
Eine einzelne große Mine reicht nicht mehr aus, um den rasant steigenden Kupferbedarf der kommenden Jahrzehnte zu decken - so sehen es offenbar auch die globalen Bergbaugiganten. Deshalb investieren Konzerne wie Newmont zunehmend in spannende Explorationsprojekte, die das Potenzial haben, künftige Engpässe abzufedern. Ein aktuelles Beispiel ist die Beteiligung von 9,5 % an Metallic Minerals sowie die strategische Partnerschaft für das La-Plata-Projekt im US-Bundesstaat Colorado.
Nach Unternehmensangaben von Metallic Minerals liegt La Plata im bergbaufreundlichen Südwesten Colorados und umfasst ein rund 25 km² großes Porphyrsystem mit Kupfer, Silber, Gold und Platingruppenmetallen. Das Management von Metallic Minerals verweist darauf, dass allein der bislang definierte Allard-Porphyrkörper 1,21 Milliarden Pfund Kupfer und 17,6 Millionen Unzen Silber enthalte. Zudem seien durch Kartierungen und geophysikalische Untersuchungen bereits über 20 weitere Zielgebiete identifiziert worden, von denen vier als bohrbereit gelten. Sollte sich auch nur ein Teil davon als ähnlich ergiebig erweisen, könnte La Plata nach Ansicht des Managements zu einem der bedeutendsten Kupferprojekte Nordamerikas aufsteigen.
Auf die Attraktivität solcher Cluster-Lagerstätten verweist auch Newmont selbst. Ein Beispiel sei die kanadische Red-Chris-Mine, wo seit Jahrzehnten mehrere kompakte Porphyrkörper - etwa die „East Zone" oder die „Main Zone" - gemeinsam als ein einziges, hochprofitables System betrieben werden. Der Vorteil liege laut Newmont in der außergewöhnlichen Flexibilität: Je nach Marktbedingungen und technischer Machbarkeit könnten einzelne Zonen nacheinander oder parallel erschlossen werden. Dies sichere eine stabile Kupferproduktion über viele Jahrzehnte hinweg - auch in volatilen Rohstoffmärkten.

Entsteht ein geopolitisches Wettrennen um Rohstoffe?
Die Aufnahme von Kupfer, Silber und Platin in die Liste kritischer Mineralien markiert einen Wendepunkt. Sie signalisiert, dass die USA nicht mehr allein auf klassische Hightech-Metalle wie Gallium oder Dysprosium setzen, sondern nun auch zentrale Basisrohstoffe mit industrieller Breite gezielt absichern wollen. Damit tritt der Staat selbst als aktiver Akteur auf und verleiht der Bergbauindustrie neuen politischen Rückenwind.
Die entscheidende Frage lautet nun, ob beschleunigte Genehmigungen und Förderprogramme tatsächlich ausreichen, um die wachsende Nachfrage zu bedienen. Klar ist jedoch: Mit Washington an der Seite ihrer Konzerne wird ein geopolitisches Wettrennen eröffnet, das die internationale Rohstoffordnung neu sortieren könnte. Während China in den vergangenen Jahren nahezu unangefochten die Märkte dominierte, könnte die US-Strategie nun dafür sorgen, dass westliche Unternehmen wieder mehr Spielraum erhalten.
Für die Bergbauindustrie insgesamt eröffnet sich damit die Aussicht auf ein Umfeld, in dem nicht mehr nur Peking den Takt vorgibt. Sollte ein globaler Wettbewerb um Investitionen und Lieferketten entstehen, könnte die gesamte Branche davon profitieren - auch weil staatliche Unterstützung den Zugang zu Kapital, Infrastruktur und Genehmigungen erleichtern dürfte.
