Silber unter Druck – warum Peter Krauth gelassen bleibt

Warsh löst einen heftigen Ausverkauf aus
Nach Einschätzung von Peter Krauth setzte Warsh auf der Jackson-Hole-Konferenz ein bewusst scharfes Signal. Er bezeichnete das Inflationsziel von 2 Prozent als nicht verhandelbar und stellte höhere Zinsen in Aussicht, falls die Teuerung nicht schnell genug sinkt. Die Botschaft traf den Markt sofort.
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September sprang daraufhin von 35,9 auf rund 66 Prozent. Silber verlor an einem Tag 7 Prozent, Gold gab 3,5 Prozent nach. Zinserhöhungen belasten Edelmetalle, weil verzinste Anlagen dadurch attraktiver werden. Doch hat der Markt nur auf einen Teil der Geschichte reagiert?

Der Anleihemarkt sendet ein anderes Signal
Krauth verweist auf die jüngsten Eingriffe des US-Finanzministeriums. Die Regierung intervenierte sowohl am japanischen Yen-Markt als auch bei zehn- und 30-jährigen US-Staatsanleihen. Ziel dieser Maßnahmen war es, steigende Renditen zu bremsen und den Zinsdruck zu verringern.
Genau darin liegt der Widerspruch: Warsh spricht über höhere Leitzinsen, während das Finanzministerium versucht, langfristige Zinsen zu drücken. Krauth glaubt deshalb, dass Anleger diese Entwicklung nur vorübergehend ausblenden. Der Kursrutsch könnte laut dem Experten eine Kaufchance bieten. Allerdings braucht der Markt womöglich zunächst eine Pause.
Silber verteidigt seine Stärke
Der Silberminen-ETF SIL ist seit seinem Tief im Juli bereits um 45 Prozent gestiegen. Nach einer solchen Rallye wären weitere Rücksetzer oder eine längere Konsolidierung keine Überraschung. Der Markt muss die schnellen Gewinne erst verarbeiten, bevor der Aufwärtstrend neue Kraft entwickeln kann.
Trotz des Einbruchs hält sich Silber bei rund 65 US-Dollar. Damit liegt der Preis fast 70 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Für Silberminen ist das besonders relevant: Steigt der Verkaufspreis bei weitgehend stabilen Kosten, kann ein großer Teil der zusätzlichen Einnahmen direkt den Gewinn erhöhen. Ist der Rückschlag also nur eine Verschnaufpause?
Das größere Silberbild bleibt intakt
In Gesprächen mit Money Metals und Catt Calls rückte Krauth die langfristigen Treiber in den Mittelpunkt. Dazu zählen die industrielle Silbernachfrage, Kapitalzuflüsse in Silber-ETFs und das aus seiner Sicht „wahre Silberdefizit“. Auch geopolitische Risiken für Minen und Lieferketten könnten das verfügbare Angebot weiter begrenzen.
Kurzfristig entscheidet die Zinspolitik über die Richtung. Langfristig bleibt das Zusammenspiel aus hoher Nachfrage, begrenztem Angebot und steigenden Minengewinnen entscheidend. Welche Silberunternehmen diese Phase am besten nutzen könnten, analysiert Krauth in seinem Börsenbrief „Der Silber Investor“. Dort ordnet er die Marktentwicklung ein und untersucht ausgewählte Produzenten und Explorationsunternehmen.

