KI-Boom trifft auf Silberknappheit: Jetzt könnte es richtig eng werden!

Rechenzentren werden zum neuen Silbertreiber
Der von Metals Focus erstellte World Silver Survey 2026 erwartet, dass Rechenzentren 2027 mehr als zehn Prozent der weltweiten Silbernachfrage im Bereich Elektrik und Elektronik verursachen könnten. Für 2026 veranschlagt die Studie den gesamten Bedarf dieses Sektors auf rund 422,9 Millionen Unzen.
Zehn Prozent davon entsprechen 42,3 Millionen Unzen oder rund 1.316 Tonnen Silber. Als rechnerische Vergleichsbasis für 2027 dient dabei der für 2026 prognostizierte Sektorbedarf. Wie gewaltig diese Menge ist, zeigt das Bowdens-Projekt von Silver Mines: Das Management plant für die ersten fünf Produktionsjahre eine durchschnittliche Jahresproduktion von rund 4,7 Millionen Unzen. Der geschätzte Jahresbedarf der Rechenzentren wäre damit größer als die gesamte geplante Bowdens-Förderung dieser fünf Jahre. Und das könnte erst der Anfang sein.
Von 128 auf 219 Gigawatt
Laut McKinsey könnte der globale Kapazitätsbedarf von Rechenzentren von rund 82 Gigawatt im Jahr 2025 auf 128 Gigawatt im Jahr 2027 und 219 Gigawatt bis 2030 steigen. Die KI-bezogene Kapazität soll sich dabei von 44 auf 156 Gigawatt mehr als verdreifachen.

Auf dieser Basis haben wir geschätzt, wie sich der Silberbedarf entwickeln könnte. Dabei unterstellen wir, dass er proportional zur Rechenzentrumskapazität wächst. Für 2030 lautet unsere Rechnung: 42,3 Millionen Unzen × 219 GW ÷ 128 GW = 72,4 Millionen Unzen. Gegenüber dem Ausgangswert wären das fast 30 Millionen Unzen mehr pro Jahr.

Warum der Silberbedarf so stark steigen könnte
Silber verteilt sich in einem Rechenzentrum über Chips, Leiterplatten, Steckverbinder, Leistungsmodule, Stromversorgungen und elektrische Kontakte. Jede einzelne Komponente benötigt nur geringe Mengen. Millionen Bauteile, Tausende Server und immer größere Anlagen machen daraus jedoch einen erheblichen Gesamtbedarf. Mit jeder neuen Servergeneration und jedem Hardwarewechsel beginnt dieser Bedarf zudem erneut.
Noch größer wird der Effekt durch den Stromhunger der Anlagen. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass der weltweite Stromverbrauch der Rechenzentren von 415 Terawattstunden im Jahr 2024 auf rund 945 Terawattstunden bis 2030 steigt. Dafür müssen Stromerzeugung, Netze, Umspannwerke und Speicher ausgebaut werden – Systeme, in denen ebenfalls Silber zum Einsatz kommt.
Neue Nachfrage trifft auf einen knappen Markt
Das ist besonders brisant, weil der Silbermarkt bereits mehr Metall verbraucht, als neu bereitgestellt wird. Nach Angaben des Silver Institute dürfte 2026 das sechste Defizitjahr in Folge bringen. Muss ein Teil des zusätzlichen Strombedarfs der Rechenzentren durch Photovoltaik gedeckt werden, steigt die Nachfrage ein weiteres Mal, denn auch Solarzellen benötigen Silber. Der KI-Boom trifft damit auf einen Markt, der schon heute unter erheblichem Druck steht.

Unsere Hochrechnung von 72,4 Millionen Unzen erfasst nur den möglichen Silberbedarf der Rechenzentren selbst. Zusätzliche Solaranlagen, Stromnetze, Umspannwerke und Speicher sind darin nicht enthalten. Die Zahl ist eine Schätzung von Axino Capital auf Basis der Angaben von Metals Focus und McKinsey, keine offizielle Prognose der beiden Institute. Sie zeigt jedoch, wie schnell KI aus einem neuen Verbraucher einen ernst zu nehmenden Konkurrenten um das knappe Metall machen könnte.
Silver Mines: 93,5 Millionen Unzen Silberreserven
Wenn KI-Rechenzentren künftig immer größere Mengen Silber benötigen, stellt sich eine entscheidende Frage: Woher soll das zusätzliche Metall kommen? Genau hier rückt Silver Mines mit seinem Bowdens-Projekt in Australien in den Fokus. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über rund 93,5 Millionen Unzen Silberreserven und insgesamt etwa 184 Millionen Unzen Silberressourcen. Das Management plant, in den ersten fünf Produktionsjahren durchschnittlich 4,7 Millionen Unzen Silber jährlich zu fördern – bei angestrebten Gesamtkosten von rund 14,33 US-Dollar je Unze (AISC) in diesem Zeitraum. Damit könnte Bowdens künftig einen bedeutenden Beitrag zur Silberversorgung leisten, während KI, Elektrifizierung und Energiewende den Bedarf weiter antreiben. Bevor es so weit ist, muss das Projekt jedoch erneut genehmigt werden. Die bevorstehende Entscheidung über die Projektgenehmigung bleibt daher der zentrale Meilenstein für Silver Mines.
