Ohne Öl und Gas keine Zukunft? ADX Energy-CEO: „Europa braucht eigene Energieproduktion“

Erneuerbare Energien allein reichen nicht
Fink verweist auf die gewaltigen Investitionen der vergangenen Jahrzehnte: Seit den 2000er-Jahren flossen fast zwei Billionen US-Dollar in erneuerbare Energien. Dennoch stieg deren Anteil am globalen Energiemix lediglich von 6,6 auf 13 Prozent. Parallel investierte die Welt eine ähnliche Summe in fossile Energien. Heute machen Kohle, Öl und Gas immer noch rund 76 Prozent des Energiemixes aus.
"Wir haben Fortschritte erzielt, aber der Bedarf an Öl und Gas bleibt riesig", so Fink. Er beobachtet eine stark emotionale Debatte, besonders unter jüngeren Generationen in Westeuropa, die die Erderwärmung als unmittelbare Bedrohung wahrnehmen. "Ich verstehe diese Sorgen, aber wir müssen pragmatisch fragen: Wie und wo können wir Öl und Gas mit möglichst geringen CO₂-Emissionen produzieren?"
ADX Energy setzt auf lokale Produktion in Europa
ADX Energy betreibt Projekte in Österreich und Italien, die nach höchsten Umweltstandards arbeiten. Laut Fink verursachen diese Förderprojekte deutlich weniger Emissionen als LNG-Importe aus den USA. Diese würden durch Verflüssigung, Transport und Regasifizierung erhebliche CO₂-Belastungen erzeugen. "Fracking in den USA verursacht zudem bis zu 120 Prozent mehr CO₂ pro Barrel als die konventionelle Förderung in Europa", betont er.
Im Wiener Becken produziert ADX bereits erfolgreich Öl und Gas. Dort betreibt das Unternehmen mehrere Lagerstätten wie Zistersdorf und Gaiselberg, die stabile Fördermengen liefern. Diese Projekte werden durch moderne Technologien und seismische Datenanalysen kontinuierlich optimiert. Neben der konventionellen Produktion werden sogenannte "Appraisal"-Bohrungen durchgeführt, um bekannte Reserven auszuweiten.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Anshof-Projekt in Oberösterreich. Die Discovery-Bohrung Anshof-3 liefert seit über einem Jahr Öl, wenn auch mit geringeren Volumina als im optimistischsten Szenario (P10) prognostiziert. Dennoch ist das Feld wirtschaftlich attraktiv. Zusätzlich wurde Anshof-2A erfolgreich gebohrt, wobei der höhere Wasseranteil in der Förderung weitere Bohrungen notwendig macht, um das volle Potenzial des Reservoirs zu erschließen.
Darüber hinaus plant ADX mit dem Projekt "Goldbrunnen" die Erschließung flacher Gaslagerstätten in Oberösterreich. Diese Lagerstätten liegen in Tiefen zwischen 800 und 2.000 Metern und könnten dank vorhandener Infrastruktur innerhalb weniger Wochen an die Pipeline angebunden werden. Laut Fink beträgt die Erfolgschance dieser Bohrung etwa 80 Prozent.

Italien als neues Wachstumsfeld
Auch in Italien ist ADX Energy wieder aktiv. Nach Jahren politischer Blockaden hat sich das Umfeld gewandelt. ADX sicherte sich ein großes Offshore-Gebiet im sizilianischen Kanal, nahe dem Argo-Cassiopea-Projekt von ENI, das 2024 die Produktion aufgenommen hat. Das Gebiet umfasst mehrere historische Bohrungen, die bereits Gasfunde nachgewiesen haben, sowie neue Explorationsziele mit vielversprechenden geologischen Strukturen.
Hier plant ADX eine erste Bohrkampagne in den nächsten 12 bis 18 Monaten. Zusätzlich ist geplant, seismische 3D-Daten neu zu erheben, um bisher unerforschte Reservoirs zu identifizieren. Moderate Wassertiefen von 700 bis 1.300 Metern und bestehende Infrastruktur wie Pipelines, Verarbeitungsanlagen und nahegelegene Häfen ermöglichen eine zügige und kosteneffiziente Entwicklung. ADX prüft auch die Integration neuer Technologien wie emissionsarme Offshore-Plattformen und CO₂-Management-Systeme, um die Umweltbelastung zu reduzieren.

ADX Energy blickt optimistisch nach vorn
Trotz globaler Unsicherheiten bleibt ADX Energy wirtschaftlich stabil. "Wir können selbst bei einem Ölpreis von 60 US-Dollar pro Barrel profitabel arbeiten", erklärt Fink. Der aktuelle Marktpreis liegt zwar unter früheren Höchstständen, ist für ADX jedoch keineswegs kritisch. Erst wenn der Preis dauerhaft unter 38 US-Dollar pro Barrel fällt, könnte es finanziell schwierig werden. Zudem weist Fink darauf hin, dass die laufenden Betriebskosten momentan höher ausfallen, weil parallel zur Produktion auch in neue Explorationsprojekte investiert wird. Ohne Exploration könnten die Kosten um bis zu 50 % gesenkt werden, doch das würde langfristiges Wachstum verhindern.
Um Risiken zu minimieren, setzt ADX auf das sogenannte "Farm-in"-Modell: Partnerunternehmen wie MND oder MCF Energy übernehmen einen Großteil der Explorationskosten und erhalten im Gegenzug Anteile an den Projekten. In Österreich konnte so die Zusammenarbeit mit MND und in Italien erste Schritte mit neuen Partnern initiiert werden.
Fink ist überzeugt, dass der aktuelle Aktienkurs den wahren Wert des Unternehmens nicht widerspiegelt. Allein der bestehende Cashflow aus der laufenden Produktion im Wiener Becken und in Anshof rechtfertige bereits einen deutlich höheren Unternehmenswert. "Wenn wir unsere Aktivitäten auf die bestehende Produktion beschränken und keine neuen Explorationsprojekte durchführen würden, wäre die Firma trotzdem viermal so viel wert wie der derzeitige Marktpreis", betont er. "Wir haben uns jedoch bewusst für Wachstum entschieden. Die kommenden Jahre bieten Chancen, unsere tägliche Produktion erheblich zu steigern und damit den Unternehmenswert langfristig zu erhöhen."
