ADX hebt Gaspotenzial im Mittelmeer deutlich an

Ressourcenmodell überarbeitet
Nach Angaben des Unternehmens beträgt das aktualisierte mittlere Ressourcenpotenzial (Pmean) nun 619 Milliarden Kubikfuß (BCF) Erdgas. Zum Vergleich: Die vorherige Schätzung aus dem Jahr 2022 lag bei rund 472 BCF. Auch in den übrigen Szenarien wurde nach oben korrigiert, im konservativen Fall (P90) auf 188 BCF und im optimistischen Fall (P10) auf 1.265 BCF. Dabei handelt es sich um sogenannte „Prospective Resources". Diese bezeichnen potenziell förderbare Mengen aus bislang unentdeckten Lagerstätten. Ob eine wirtschaftliche Förderung möglich ist, müsse laut Unternehmensangaben im Rahmen weiterer Untersuchungen und Bewertungen geprüft werden.
Bewertungsgrundlage: Vergleichsdaten und neue Ziele
Die Überarbeitung der Volumina basiert unter anderem auf Vergleichsdaten aus benachbarten Produktionsfeldern wie Argo, Cassiopea und Gemini. Zusätzlich seien Charakteristika des Lippone-Mazara-Feldes an Land berücksichtigt worden. Diese externen Felder gelten als geologisch ähnlich zum ADX-Gebiet und dienen als Parameter für Reservoirqualität und Wiedergewinnungsfaktoren. Darüber hinaus habe ADX drei neue Zielstrukturen identifiziert, die bislang nicht im Modell enthalten waren. Diese befinden sich in einer im August 2025 zugesprochenen Erweiterungszone des C.R150.AU-Gebiets.

Weitere Analysen geplant
Für Januar 2026 plant ADX eine technische Datenprüfung („Data Room") bei einem benachbarten Betreiber, um Zugang zu zusätzlichem seismischen Material zu erhalten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in die laufende Bewertung einfließen. Zudem sei geplant, die überarbeiteten Schätzwerte durch einen unabhängigen Sachverständigen in einem sogenannten „Competent Persons Report" dokumentieren zu lassen. Ziel sei eine noch fundiertere Ressourcenbasis zur Vorbereitung möglicher Partnerschaften oder Entwicklungsentscheidungen.

Strategische Bedeutung im europäischen Kontext
Der sizilianische Kanal entwickelt sich zunehmend zu einem strategisch bedeutenden Gasexplorationsgebiet. Seit der Inbetriebnahme benachbarter Felder durch ENI im Jahr 2024 rückt die Region verstärkt in den Fokus. Die Lage des Lizenzgebiets bietet mehrere wirtschaftliche Vorteile: Die Wassertiefe beträgt nur rund 100 Meter, die Bohrziele liegen unterhalb von 2.000 Metern. Zudem existieren nahegelegene Anbindungspunkte an das italienische Pipeline-Netz, darunter ein Zugang zur TRANSMED-Leitung.
ADX weist darauf hin, dass es sich bei dem erwarteten Gas um sogenanntes „sweet gas" mit einem Methangehalt von 99 % handelt. Diese besonders reine Form des Erdgases weist laut Unternehmen vergleichsweise geringe Emissionen auf und erfülle hohe Umweltstandards. Damit könne ein potenzieller Förderbetrieb sowohl ökologischen als auch ökonomischen Anforderungen des europäischen Marktes gerecht werden.

Ausblick auf nächste Schritte
Das Management geht davon aus, dass weitere Zielstrukturen identifiziert und die Ressourcenschätzungen erneut verfeinert werden könnten. Der Vorstandsvorsitzende Ian Tchacos ließ mitteilen, man sehe sich durch die neuen Daten in einer „starken Position", das Projekt systematisch weiterzuentwickeln. Die nächsten Schritte seien die Erfassung zusätzlicher seismischer Daten sowie die weitere Validierung potenzieller Bohrziele.
