Wer ist Michael Gentile? Vom Schleifer zum Rohstoff-Multimillionär

Die Börse fasziniert ihn schon mit zehn Jahren
In einem Interview mit „Y’all Street“ erzählt Gentile, dass er bereits mit zehn Jahren Aktienkurse in der Zeitung verfolgte. McDonald’s interessierte ihn wegen der Restaurantbesuche mit seinem Vater. IBM beobachtete er, weil seine Familie einen Computer des Unternehmens besaß. Neben dem Sportteil las er täglich die Wirtschaftsseiten.
Seine Eltern waren Lehrer und hatten keine Verbindungen zur Finanzwelt. Gentile musste sich sein erstes Kapital deshalb selbst verdienen. Während eines Sommers schliff er in einem Sportgeschäft täglich zahlreiche Schlittschuhe. So sparte er rund 5.000 Dollar. Heute ist er strategischer Investor und nach eigener Aussage größter Aktionär von 35 Junior-Mining-Gesellschaften.

Aus 5.000 Dollar wurden plötzlich 50.000
Das Startkapital verdiente sich Gentile während eines Sommers in einem Sportgeschäft. Für etwa sechs Dollar pro Stunde schliff er Hockeyschlittschuhe. Die Arbeit war schweißtreibend, doch am Ende hatte er rund 5.000 Dollar angespart. Dann führte ihn eine zufällige Begegnung zu seiner ersten Aktie.
Ein Kunde erzählte im Laden von seiner kleinen börsennotierten Technologiefirma, die GPS-Systeme für gestohlene Autos entwickelte. Gentile prüfte die Geschäftsberichte und sah ein profitables, schnell wachsendes Unternehmen mit niedriger Bewertung. Er investierte sein gesamtes Erspartes. Während des Technologiebooms wurden daraus rund 50.000 Dollar.
Als Student verwaltete er eine Million Dollar
Gentile begnügte sich nicht mit seinem frühen Erfolg. Bereits als Jugendlicher lud er Geschäftsberichte herunter und brachte sich die Grundlagen der Unternehmensanalyse bei. Später nahm er an einem besonderen Programm seiner Universität teil: Acht Studenten durften gemeinsam ein reales Portfolio über eine Million Dollar verwalten.
Ihre Entscheidungen mussten sie vor erfahrenen Verantwortlichen großer kanadischer Pensionsfonds verteidigen. Der Druck war hoch. Doch genau das machte die Ausbildung wertvoll. Gentile lernte früh, eine Investmentidee nicht nur zu entwickeln, sondern sie vor kritischen Profis mit Zahlen, Bewertungen und klaren Argumenten zu begründen.
Niemand wollte Öl und Gas – also griff er zu
Als die Studenten ihre Analysebereiche verteilten, wollten fast alle den boomenden Technologiesektor übernehmen. Für Öl und Gas interessierte sich niemand. Ein Barrel Öl kostete damals nur etwa zehn Dollar. Einige Beobachter rechneten sogar mit einem Rückgang auf fünf Dollar.
Gentile übernahm den unbeliebten Bereich und erkannte einen Widerspruch: China verbrauchte immer mehr Öl, während die Branche wegen der niedrigen Preise kaum in neue Förderung investiert hatte. Die Nachfrage stieg, doch das Angebot konnte nicht schnell folgen. Diese Analyse sollte seine Karriere entscheidend beschleunigen.

Mit 24 Jahren wird er zum Öl-Experten
Bei einer Netzwerkveranstaltung seiner Universität lernte Gentile seinen späteren Arbeitgeber kennen. Statt sich mit allgemeinen Bewerbungssätzen vorzustellen, sprach er über die Aktien in seinem eigenen Portfolio. Seine Vorbereitung und seine Begeisterung überzeugten. Er erhielt ein Praktikum bei der Investmentfirma Formula Growth.
Gentile hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits drei bis vier Jahre mit Öl und Gas beschäftigt. Mit etwa 24 Jahren wurde er deshalb zum faktischen Branchenexperten der Firma. Der Ölpreis stieg später von rund zehn auf bis zu 145 Dollar je Barrel. Besonders kleinere Produzenten mit steigender Förderung und sinkenden Kosten erzielten enorme Kursgewinne.
Der Ölboom endet mit schmerzhaften Verlusten
Gentile fand während des Aufschwungs Aktien, die ihren Wert vervielfachten. Doch den richtigen Ausstieg verpasste er. Als der Rohstoffzyklus drehte, hielt er zu lange an seinen Positionen fest und verlor nach eigener Aussage viel Geld.
Die Erfahrung veränderte seinen Blick auf Rohstoffmärkte. Selbst der beste Aktienanalyst könne sich einem schweren Abschwung nicht entziehen, erklärte Gentile. Entscheidend sei deshalb nicht nur die Auswahl einzelner Unternehmen. Anleger müssten auch erkennen, wann sich Angebot, Nachfrage und damit der gesamte Zyklus verändern.
Nach 18 Jahren folgt der radikale Schnitt
Gentile arbeitete insgesamt 18 Jahre für dieselbe Investmentfirma und stieg vom Praktikanten zum leitenden Portfoliomanager auf. Gemeinsam mit seinem Partner Charles Hager verwaltete er schließlich einen Hedgefonds mit rund einer Milliarde Dollar. Dafür arbeitete er nach eigenen Angaben 60 bis 70 Stunden pro Woche und reiste häufig.
2018 erwartete seine Frau Zwillinge. Das Paar hatte bereits drei Kinder unter sieben Jahren. Gentile stand damit vor der Aussicht, Vater von fünf Kindern unter acht Jahren zu sein. Er entschied sich gegen die Karriere, die er seit seinem zehnten Lebensjahr verfolgt hatte, und verließ die Firma.

Heute setzt er auf kleine Minenunternehmen
Gentile zog sich 2018 zwar aus dem hektischen Fondsalltag zurück, der Börse kehrte er jedoch nicht den Rücken. Im Gegenteil: Er setzte sein eigenes Kapital ein und baute sich innerhalb weniger Jahre eine neue Position im kanadischen Rohstoffmarkt auf.
Heute gilt Michael Gentile in Kanada als erfolgreicher und einflussreicher Mineninvestor. Nach eigenen Angaben ist er der größte Aktionär von 35 Junior-Mining-Unternehmen und bei einigen davon eng in strategische Entscheidungen eingebunden. Im nächsten Teil unserer Serie erklärt Gentile, warum er gerade bei Gold und Minenaktien große Chancen sieht – und welche Entwicklungen seine Investmentthese heute bestimmen.