Vom Millionenfund zur Mine: An diesen Faktoren entscheidet sich der wahre Wert

Was im Boden steckt – und was sich davon abbauen lässt
Sam Hosack, Geschäftsführer des Kupferentwicklers Prospect Resources, erklärt in einem LinkedIn-Fachbeitrag, warum große Ressourcenzahlen leicht in die Irre führen. Sein Unternehmen entwickelt das Kupferprojekt Mumbezhi im Nordwesten Sambias. Dessen Mineralressource umfasst inzwischen 208,1 Millionen Tonnen.
Diese Ressource ist jedoch kein fertiger Minenplan. Für einen möglichen Tagebau muss zunächst eine wirtschaftliche Grubenkontur, die sogenannte „Pit Shell“, berechnet werden. Sie berücksichtigt unter anderem Böschungswinkel, Abbau- und Verarbeitungskosten sowie den Kupferpreis. Nur Material innerhalb einer plausiblen Kontur kann später zum abbaubaren Inventar gehören.
Viele Bohrungen, eine entscheidende Schätzung
Bevor eine erste Wirtschaftlichkeitsstudie beginnt, wird in der Regel eine Mineralressource geschätzt. Dafür muss ein Unternehmen bereits genügend Bohrungen und geologische Daten gesammelt haben. Daraus entsteht das Mineral Resource Estimate, kurz MRE. Es zeigt, wie viel Rohstoff vermutlich vorhanden ist und welchen durchschnittlichen Gehalt er besitzt.
Erst danach untersucht eine Studie, welcher Teil dieser Ressource möglicherweise wirtschaftlich abgebaut werden kann. Einfach gesagt: Die Bohrungen liefern die Daten, das MRE beschreibt den Fund und die Studie prüft das mögliche Bergbauprojekt.

JORC und CIM ziehen eine wichtige Grenze
Für die Einordnung sind zwei Regelwerke wichtig. Der JORC-Code prägt die Rohstoffberichterstattung in Australien und Neuseeland. In Kanada bilden dagegen die Definitionen des Canadian Institute of Mining, Metallurgy and Petroleum, kurz CIM, die Grundlage für Berichte nach NI 43-101. Die kanadische Praxis verlangt meist eine klarere räumliche Begrenzung auf potenziell abbaubare Bereiche. JORC überlässt der verantwortlichen Fachperson etwas mehr Ermessensspielraum.
Beide Systeme folgen jedoch derselben Logik: Eine Ressource weist zunächst wirtschaftliches Potenzial aus. Eine Scoping-Studie liefert anschließend eine erste grobe Einschätzung, wie daraus ein Bergbauprojekt werden könnte. Erst eine detailliertere Vor-Machbarkeitsstudie kann den wirtschaftlich abbaubaren Teil als Erzreserve bestätigen. Für Anleger ist diese Reihenfolge entscheidend: Je weiter ein Projekt voranschreitet, desto belastbarer werden seine Zahlen.
So entscheidet sich, was abgebaut wird
Fachleute unterteilen eine Lagerstätte rechnerisch in zahlreiche Gesteinsblöcke. Für jeden Block wird geprüft, welchen Erlös das enthaltene Kupfer bringen könnte. Davon werden unter anderem die Kosten für Abbau, Transport und Verarbeitung abgezogen. Nur wirtschaftliche Blöcke können Teil des späteren Minenplans werden.
Auch die Stabilität der Grubenwände und der angenommene Kupferpreis beeinflussen die Rechnung. Material, das den Wirtschaftlichkeitstest nicht besteht, bleibt im Boden oder wird als Abraum behandelt. Deshalb können zwei Lagerstätten mit derselben Tonnage völlig unterschiedliche Projektwerte besitzen. Die Schlagzeile verrät also nur einen Teil der Wahrheit.

Tiefe kann reiches Erz wertlos machen
Fachleute unterteilen eine Lagerstätte rechnerisch in zahlreiche Gesteinsblöcke. Für jeden Block wird geprüft, welchen Erlös das enthaltene Kupfer bringen könnte. Davon werden unter anderem die Kosten für Abbau, Transport und Verarbeitung abgezogen. Nur wirtschaftliche Blöcke können Teil des späteren Minenplans werden.
Auch die Stabilität der Grubenwände und der angenommene Kupferpreis beeinflussen die Rechnung. Material, das den Wirtschaftlichkeitstest nicht besteht – dessen Kupferanteil also unter dem sogenannten Cut-off Grade (Grenzgehalt) liegt –, bleibt im Boden oder wird als Abraum behandelt. Gleichzeitig spielt das Strip Ratio (Abraumverhältnis) eine wichtige Rolle: Je flacher die Grubenwände für mehr Stabilität abgetragen werden müssen, desto mehr wertloses Gestein muss weggeschafft werden, um überhaupt an das Erz zu gelangen. Deshalb können zwei Lagerstätten mit derselben Tonnage völlig unterschiedliche Projektwerte besitzen. Die Schlagzeile verrät also nur einen Teil der Wahrheit.

Warum der Erzgehalt so wichtig ist
Prospect Resources meldete aus dem Bereich Nyungu Central einen Abschnitt von 18 Metern mit 1,31 Prozent Kupfer ab 148 Metern Tiefe. Dieser Gehalt liegt deutlich über dem bisherigen Ressourcendurchschnitt. Zugleich befindet sich die Mineralisierung vergleichsweise nah an der Oberfläche. Genau diese Kombination kann die Wirtschaftlichkeit einer späteren Grube verbessern.
In Nyungu Central sind bereits 53,4 Millionen Tonnen der Kategorie „Indicated“ mit durchschnittlich 0,45 Prozent Kupfer ausgewiesen. Ein höherer Gehalt bedeutet mehr gewinnbares Metall pro verarbeiteter Tonne. Die Kosten für Förderung und Aufbereitung steigen dabei nicht automatisch im gleichen Verhältnis. Mehr Qualität kann daher wertvoller sein als bloß mehr Masse.
So steuern Entwickler ihre Bohrprogramme
In der Praxis bohren Projektentwickler nicht einfach dort, wo sie möglichst viel Kupfer vermuten. Sie arbeiten mit einem geologischen Modell und einer vorläufigen Grubenkontur. Bohrungen am Rand prüfen, ob sich der Rohstoffkörper erweitern lässt. Enger gesetzte Bohrungen schließen Datenlücken und erhöhen die Sicherheit, mit der Gehalt, Tonnage und Verlauf der Mineralisierung geschätzt werden können.
Bei Mumbezhi richte Prospect Resources die aktuellen Bohrungen deshalb auf flachere Bereiche an den Rändern des möglichen Tagebaus aus, erklärt Hosack. Ein Treffer kann dort die wirtschaftliche Grubenkontur erweitern oder ihren durchschnittlichen Kupfergehalt verbessern. Ein tiefer, isolierter Fund erhöht dagegen womöglich nur die Ressourcenzahl, ohne später in den Minenplan einzugehen. Genau deshalb zählt der Standort eines Treffers ebenso wie seine Größe.
Warum eine kleinere Zahl die bessere Nachricht sein kann
Hosack zufolge dürfte die kommende Scoping-Studie ein potenziell abbaubares Inventar ausweisen, das deutlich kleiner ist als die gesamte Ressource von 208,1 Millionen Tonnen. Das sei jedoch kein Rückschlag. Die Studie solle zeigen, welche Bereiche innerhalb einer konkreten Tagebaukontur liegen und ein künftiges Bergbauprojekt tragen könnten. Der übrige Teil bleibe als mögliches Potenzial für spätere Entwicklungsphasen erhalten.
Prospect Resources werde die Mineralressource weiter vergrößern, wenn neue Daten dies rechtfertigten, erklärt Hosack. Wichtiger sei für das Unternehmen jedoch jene Menge, die voraussichtlich profitabel gewonnen werden könne. Seine zentrale Botschaft an Anleger lautet deshalb: Eine kleinere, wirtschaftlich besser begründete Menge kann wertvoller sein als eine große Ressourcenzahl. Entscheidend sei nicht nur, wie viel Kupfer entdeckt wurde, sondern wie viel davon wirtschaftlich abgebaut werden könne.
