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S&P 500 raus, Goldminen rein? Die Wette gegen den Mainstream

Inflation, Ölpreisschocks, geopolitische Spannungen: Vieles erinnert an ein Jahrzehnt, in dem Goldminen den breiten Aktienmarkt weit hinter sich ließen. Wiederholt sich die Geschichte?

Gold vs. Wall Street: Crescats Wette gegen den S&P 500

Crescat Capital macht in seinem aktuellen Schreiben keine vorsichtige Andeutung, sondern eine klare Ansage: S&P 500 verkaufen, Goldminenaktien kaufen. Genau das macht die Analyse so brisant. Denn während viele Anleger noch immer auf die großen US-Aktien und vor allem auf Tech-Werte setzen, sieht Crescat dort inzwischen ein wachsendes Risiko.  Die Begründung: Der S&P 500 ist nach Ansicht der Experten historisch hoch bewertet. Goldminenaktien dagegen sind stark gefallen, obwohl sich die langfristigen Gründe für Gold, Silber und andere Metalle aus ihrer Sicht nicht verschlechtert haben – im Gegenteil.

Besonders spannend ist der Blick zurück in die 1970er-Jahre. Damals gab es Ölpreisschocks, hohe Inflation, steigende Zinsen und geopolitische Spannungen. Also genau jene Mischung, die Anleger heute wieder nervös macht. Doch ausgerechnet in diesem Umfeld schnitten Goldminenaktien deutlich besser ab als der breite US-Aktienmarkt. Der Barron’s Gold Mining Index stieg laut Crescat von Ende 1969 bis Oktober 1980 um 1.292 Prozent. Der S&P 500 legte im gleichen Zeitraum nur um 41 Prozent zu. Der Chart im Schreiben zeigt diesen Unterschied deutlich: Während Goldminen über Jahre stark anzogen, blieb der breite US-Markt weit zurück.

Darin liegt die eigentliche Sprengkraft der Crescat-These: Vielleicht liegt das größere Risiko nicht bei den stark schwankenden Minenaktien, sondern dort, wo viele Anleger heute noch Sicherheit vermuten – im teuren US-Aktienmarkt. Crescat stellt damit eine unbequeme Frage: Was passiert, wenn Inflation, Schulden und geopolitische Risiken nicht verschwinden, sondern weiter zunehmen? Dann könnten Anleger plötzlich genau jene Werte wiederentdecken, die sie zuletzt verkauft haben: Gold, Silber und vor allem Goldminenaktien.

Goldminenaktien übertreffen S&P 500 im Bullenmarkt der 1970er.

Warum Gold und Silber trotz Krise fallen

Viele Anleger sind derzeit enttäuscht und verunsichert: Der Krieg eskaliert, der Ölpreis steigt, die Angst vor Inflation nimmt zu – und trotzdem fallen Gold und Silber. Auf den ersten Blick wirkt das unlogisch. Schließlich gelten Edelmetalle traditionell als Schutz in unsicheren Zeiten. Der Grund liegt in der Reaktion der Märkte auf den steigenden Ölpreis. Wenn Öl teurer wird, steigen die Sorgen, dass auch die Inflation wieder anzieht. Dann rechnen Anleger damit, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen länger hoch hält oder Zinssenkungen verschiebt. Genau das setzt Gold und Silber kurzfristig unter Druck, weil beide keine Zinsen abwerfen. Wer höhere Renditen bei Anleihen erwartet, verkauft in solchen Phasen oft Edelmetalle.

Doch diese Sicht greift zu kurz. Für Gold ist nicht allein entscheidend, ob die Zinsen steigen. Viel wichtiger ist, ob die Zinsen hoch genug sind, um die Inflation wirklich zu bremsen. Wenn die Inflation stärker steigt als die Zinsen, bleiben die realen Zinsen niedrig oder sogar negativ. Genau dieses Umfeld kann für Gold weiterhin positiv sein.
Hinzu kommt die Schuldenfrage. Die USA haben inzwischen eine Staatsverschuldung von mehr als 39 Billionen US-Dollar erreicht. Gleichzeitig steigen durch Krieg, Verteidigungsausgaben und höhere Zinskosten die Belastungen weiter. Wenn ein Staat immer mehr Schulden anhäuft, wächst bei Anlegern die Sorge, dass Papiergeld an Kaufkraft verliert. In einem solchen Umfeld kann Gold trotz kurzfristiger Rückschläge wieder stärker gefragt sein – nicht weil es Zinsen zahlt, sondern weil es als Schutz vor Kaufkraftverlust gesehen wird.

Am Ende bleibt für Anleger eine zentrale Frage: Wie lange können die USA ihre steigenden Zinskosten überhaupt noch tragen, ohne den Dollar weiter zu entwerten? Ob das dauerhaft möglich ist, sollte sich jeder Anleger überlegen, bevor er Gold wegen kurzfristiger Schwankungen vorschnell abschreibt.

Der Goldpreis korrigiert häufig nach geopolitischem Schocks aufgrund eines Liquiditätsbedarfs.

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