Silberpreis Prognose 2026: Banken sehen Szenarien, die überraschen

Die Silberpreisprognosen für 2026 zeigen auf Basis der vorliegenden Daten eine auffällige Dynamik. Im November 2025 lagen die genannten Erwartungen noch überwiegend zwischen 45 und 65 US-Dollar je Unze. Bis Mai 2026 hätten mehrere Banken und Analysehäuser ihre Einschätzungen deutlich angehoben. Die Bandbreite reicht nun von 75 US-Dollar bei HSBC bis zu einem bullischen Szenario von 220 US-Dollar bei BMO.

Banken sehen höhere Preisniveaus
Besonders auffällig ist der Sprung bei einzelnen Prognosen. UBS lag in der älteren Darstellung noch bei 55 US-Dollar für das vierte Quartal 2026, in der neueren Grafik liegt die Erwartung bereits bei 80 US-Dollar bis Ende 2026. Die Deutsche Bank erhöht sich von 45 auf 100 US-Dollar. Bank of America steht im Mai 2026 bei 135 US-Dollar, nachdem zuvor 65 US-Dollar als Ziel für 2026 genannt wurden.
Bank of America begründet das extreme Silber-Szenario vor allem mit dem Gold-Silber-Verhältnis. In starken Silber-Bullenmärkten ist dieses Verhältnis historisch deutlich gefallen. Sollte Gold weiter steigen und Silber im Verhältnis zu Gold aufholen, wären laut Bank of America selbst sehr hohe Silberpreise rechnerisch möglich. Zusätzlich stützt das knappe Angebot den Ausblick: Der Silbermarkt verzeichnet seit Jahren Defizite, während die Nachfrage das verfügbare Angebot weiter übersteigt. Deshalb hält Bank of America in einem sehr bullischen Szenario Silberpreise von 135 bis sogar über 300 US-Dollar je Unze für möglich.
Für die Übersicht ist das besonders bemerkenswert, weil Banken bei Silber historisch eher vorsichtig auftreten und häufig deutlich kleinere Preissprünge einkalkulieren. Prognosen mit Aufwärtspotenzialen von unter 30 Prozent sind im Bankenumfeld deutlich üblicher als Szenarien, die eine Vervielfachung des Silberpreises andeuten.

Rückenwind für Silberproduzenten
Für Minengesellschaften hätte ein höherer Silberpreis eine direkte wirtschaftliche Bedeutung. Sie verkaufen den geförderten Rohstoff am Markt und könnten daher besonders stark von steigenden Preisen profitieren. Bleiben Förderkosten, Energieaufwand und Verarbeitungskosten stabil oder steigen langsamer als der Silberpreis, würden die Margen der Produzenten zulegen. Das könnte zusätzliche Mittel für Exploration, Minenausbau und neue Projekte freisetzen. Damit rücken echte Silberminen stärker in den Fokus. Der Markt ist jedoch komplex, weil ein großer Teil der weltweiten Silberproduktion nicht aus reinen Silberminen stammt.

Nicht überall Silber, wo Silber draufsteht
Der Chart zeigt, dass der Global X Silver Miners ETF, kurz SIL, nur teilweise ein direktes Investment in klassische Silberminen darstellt. Die sechs größten Positionen machen 58,53 Prozent des ETF-Korbs aus. Darunter befinden sich neben primären Silberproduzenten wie Coeur Mining und First Majestic Silver auch Streamer wie Wheaton Precious Metals und Osisko Royalties sowie Unternehmen, bei denen Silber nur als Nebenprodukt anfällt.
Das ist besonders für jene wichtig, die gezielt an einem steigenden Silberpreis teilhaben möchten. Ein Silberminen-ETF bedeutet nicht automatisch, dass das investierte Kapital überwiegend in reine Silberminen fließt. Streamer haben ein anderes Geschäftsmodell als Minenbetreiber, da sie künftige Produktion zu vereinbarten Preisen kaufen. Nebenprodukt-Produzenten wiederum hängen oft stark von Gold, Kupfer, Blei oder Zink ab. Wer also direkter vom Silberpreis profitieren möchte, sollte prüfen, wie stark die enthaltenen Unternehmen tatsächlich mit Silber verbunden sind.
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Warum echte Silberminen schwer zu finden sind
Die Herkunft der Silberproduktion zeigt, warum der Silbermarkt komplexer ist, als es auf den ersten Blick wirkt. Nach der Übersicht stammten 2024 nur 27,8 Prozent der weltweiten Silberproduktion aus primären Silberminen. Der größere Teil fiel als Nebenprodukt an: 29,4 Prozent kamen aus Blei- und Zinkminen, 26,8 Prozent aus Kupferminen und 15,5 Prozent aus Goldminen.

Wer gezielt eine direkte Silberexponierung sucht, steht daher vor einer besonderen Herausforderung. Viele Unternehmen mit Silberbezug fördern Silber nicht als Hauptprodukt, sondern verdienen ihr Geld vor allem mit anderen Metallen. Dadurch kann sich ihre wirtschaftliche Entwicklung anders verhalten als der Silberpreis selbst.
Genau hier setzt spezialisierte Analyse an. Der „Silver Investor“ von Silber-Experte Peter Krauth soll helfen, den Markt besser einzuordnen und Unternehmen zu identifizieren, bei denen Silber tatsächlich im Mittelpunkt steht. Gemeinsam mit AXINO Capital werden diese Einschätzungen auch deutschsprachigen Interessierten zugänglich gemacht. Gerade weil primäre Silberminen nur einen begrenzten Teil der globalen Produktion ausmachen, könnte fundierte Orientierung im Silbersektor besonders wertvoll sein.
