Ohne China läuft nichts - US Rohstoff Abhängigkeit erreicht Höhepunkt

Project Vault als politische Zäsur
Noch bevor der neue USGS-Bericht veröffentlicht wurde, setzte die US-Regierung ein deutliches Signal. Mit der Ankündigung von „Project Vault“ reagierte Präsident Donald Trump auf eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet und nun in harten Zahlen sichtbar wird. Viele Beobachter fragten sich, warum der Präsident gerade jetzt handelt. Die wachsende Importabhängigkeit bei strategischen Rohstoffen liefert darauf eine Antwort. Die geplante staatliche Reserve für kritische Mineralien soll künftige Versorgungsengpässe abfedern, Industrie und Verteidigung absichern und die Abhängigkeit von China verringern. Wie groß die strukturelle Verwundbarkeit tatsächlich ist, macht erst der Blick in die aktuellen Daten des US Geological Survey deutlich.
USGS-Zahlen unterstreichen strukturelles Risiko
Vor diesem Hintergrund erhalten die aktuellen Daten des US Geological Survey besonderes Gewicht. In seinem jährlich veröffentlichten Mineral Commodities Summary stellt der USGS fest, dass die USA im Jahr 2025 bei 16 von 90 untersuchten nicht-energetischen Rohstoffen vollständig auf Importe angewiesen waren, nach 15 im Vorjahr. Gleichzeitig überschritt die Importquote bei 54 Mineralien mehr als die Hälfte des inländischen Verbrauchs, verglichen mit 46 im Jahr 2024. Besonders kritisch ist die vollständige Abhängigkeit bei Mangan, Niob, Tantal, Gallium, natürlichem Graphit, Scandium und Yttrium, die für Hochtechnologie, Energiewende und Verteidigungsindustrie unverzichtbar sind. Zwar sei die Zahl der kritischen Mineralien mit einer Importabhängigkeit von über 50 Prozent auf 20 gesunken, betont der USGS, doch bleibe das strukturelle Risiko bestehen, solange Förderung und Verarbeitung dieser Rohstoffe außerhalb der Vereinigten Staaten konzentriert seien.

Die Grafik zeigt, wie stark die Vereinigten Staaten bei vielen strategisch wichtigen Rohstoffen von Importen abhängig sind. Bei einer Reihe kritischer Mineralien liegt die Nettoimportabhängigkeit bei 100 Prozent, darunter Stoffe, die für Industrie, Energiewende und Verteidigung unverzichtbar sind. Besonders deutlich wird dabei die Rolle Chinas, das bei mehreren Schlüsselrohstoffen als dominanter Lieferant erscheint. Dies betrifft unter anderem Antimon, Graphit und Seltene Erden, bei denen ein erheblicher Teil der US-Importe aus China stammt. Die Darstellung macht damit sichtbar, dass sich die Abhängigkeit nicht nur auf ausländische Lieferungen insgesamt bezieht, sondern häufig auf wenige, strategisch sensible Herkunftsländer konzentriert ist. Diese Kombination aus vollständiger Importabhängigkeit und hoher Lieferantenkonzentration verdeutlicht die strukturelle Verwundbarkeit der US-Rohstoffversorgung.
China dominiert
China nimmt laut Bericht eine Schlüsselrolle ein. Das Land liefert nahezu die Hälfte der US-Importe von Arsen und Graphit, rund 55 % des Antimons und etwa 70 % der Seltenen Erden. Rich Nolan, Präsident und CEO des National Mining Association (NMA), erklärte, der Bericht zeige, wie schwer es sei, Chinas über Jahrzehnte aufgebaute Marktdominanz aufzubrechen.
Neben China ist Kanada ein wichtiger Lieferant, unter anderem für Aluminium, Gallium und Zink. Chile und Mexiko führen bei Kupfer beziehungsweise Silber, zwei Rohstoffen, die jüngst in die USGS-Liste kritischer Mineralien aufgenommen wurden. Der Bericht erscheint vor dem Hintergrund verstärkter politischer Initiativen in den USA. Die Regierung kündigte kürzlich einen staatlichen Rohstoffvorrat im Wert von 12 Milliarden US-Dollar an. Vizepräsident JD Vance stellte zudem ein bevorzugtes Handelsbündnis mit Verbündeten in Aussicht. Deutlich wird dabei, dass finanzielle Mittel allein nicht ausreichen, um die Versorgungslage kurzfristig zu verändern. Der Aufbau neuer Minen ist in den USA ein langwieriger Prozess, der von der Exploration bis zur Produktion häufig mehr als 30 Jahre in Anspruch nimmt. Zusätzliche Investitionen können diesen Zeitraum nur begrenzt verkürzen und entfalten ihre Wirkung erst mit erheblicher Verzögerung. Vor diesem Hintergrund rücken Projekte in den Fokus, die sich bereits in fortgeschrittenen Entwicklungsstadien befinden und vergleichsweise schneller ausgeweitet werden könnten.

Antimon rückt strategisch in den Fokus
Antimon rückte bei den Gesprächen in Davos 2026 nach Darstellung des Managements von Critical One Energy verstärkt in den Fokus, da sich die Risiken globaler Rohstofflieferketten zuspitzten. Aus Sicht des Unternehmens steige die Nachfrage nach kritischen Materialien schneller als neue Förder- und Verarbeitungskapazitäten aufgebaut werden könnten, während die Marktbeherrschung weiterhin bei wenigen Ländern liege. Antimon gelte dabei als besonders sensibel, da bereits kleinere handelspolitische Eingriffe rasch zu Angebotsengpässen führten. Vor diesem Hintergrund sieht das Management von Critical One Energy das Howells-Lake-Projekt in Ontario, eines der größten bekannten unerschlossenen Antimon-Vorkommen Nordamerikas, als strategisch günstig positioniert. Antimon werde unter anderem für Batterien, Energieinfrastruktur und sicherheitsrelevante Anwendungen benötigt, während China den Markt bislang dominiere.
