Merz versammelt Top-Manager: BlackRock, Siemens und Nouveau Monde Graphite

Hier treffen Macht, Geld und Industrie aufeinander
Zum ersten Mal lädt die Bundesregierung internationale Investoren und Konzernchefs zum Invest in Germany Summit nach Berlin. Mit dabei sind BlackRock-Chef Larry Fink, Siemens-Chef Roland Busch, Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, Amundi-Chefin Valérie Baudson und Celonis-Mitgründer Bastian Nominacher. Auf politischer Seite stehen Bundeskanzler Friedrich Merz sowie mehrere Bundesminister. Hier treffen Kapital, Industrie und politische Macht direkt aufeinander.
Der erste Abend beginnt mit einem Empfang nur für geladene Gäste. Am nächsten Tag folgen Fachrunden, direkte Unternehmensgespräche und kurze Treffen mit Ministern. Große Teile des Gipfels bleiben für die Öffentlichkeit geschlossen. Zwischen all den bekannten Namen sitzt auch Charles-Olivier Tarte, Finanzchef von Nouveau Monde Graphite. Damit kommt ein Thema nach Berlin, das kaum jemand sieht, aber fast jede Lithium-Ionen-Batterie braucht: Graphit.
Europas Batteriepläne hängen an Chinas Graphit
Graphit steckt in der Anode fast jeder Lithium-Ionen-Batterie. Ohne diesen Rohstoff ist die Herstellung der meisten heute eingesetzten Lithium-Ionen-Akkus nicht möglich. Damit ist Graphit ein Schlüsselrohstoff für Elektroautos, große Stromspeicher und zahlreiche elektronische Geräte. Nach Angaben der Europäischen Kommission könnte der Graphitbedarf der EU bis 2030 auf rund 480.000 Tonnen steigen.
Das Problem: Die EU fördert weniger als 0,1 Prozent ihres Bedarfs selbst. China kontrolliert 81 Prozent der weltweiten Förderung von Naturgraphit. Bei der Verarbeitung zu batterietauglichem Graphit liegt der chinesische Anteil bei 94 Prozent. Beim Anodenmaterial für Elektroautobatterien sind es sogar mehr als 90 Prozent. Europas Batterieträume hängen damit an Lieferketten, die Peking jederzeit unter Druck setzen kann.

China hat den Rohstoffhebel längst entdeckt
Seit Ende 2023 hat China seine Exportkontrollen für Graphit verschärft. Damit wird aus einem Industriematerial ein geopolitisches Druckmittel. Gerät der Handel ins Stocken, fehlen nicht nur Rohstoffe. Dann können ganze Produktionsketten ins Wanken geraten – von der Batteriefabrik bis zum deutschen Automobilwerk.
Die EU will diese Abhängigkeit mit dem Critical Raw Materials Act verringern. Bis 2030 sollen höchstens 65 Prozent eines strategisch wichtigen Rohstoffs aus einem einzigen Drittstaat kommen. Doch neue Minen und Verarbeitungsanlagen brauchen Jahre, Milliarden und politische Unterstützung. Genau an diesem Punkt wird der Berliner Gipfel plötzlich brisant.
Dieser Mann bringt eine mögliche Antwort nach Berlin
Unter den Gästen ist Charles-Olivier Tarte, Finanzvorstand von Nouveau Monde Graphite. Das kanadische Unternehmen will in Québec eine komplette westliche Graphit-Lieferkette aufbauen: von der Mine über die Reinigung bis zum einsatzfähigen Material für Batterieanoden. Tarte verfügt laut NMG über mehr als zehn Jahre operative Erfahrung in der Graphitindustrie.
Die Matawinie-Mine befindet sich bereits im Bau und soll bis Ende 2028 ihre volle Produktionskapazität von durchschnittlich 106.000 Tonnen Graphitkonzentrat pro Jahr erreichen. Ergänzend plant NMG in Bécancour eine Weiterverarbeitungsanlage für 13.000 Tonnen Anodenmaterial pro Jahr. Damit würde rund ein Viertel der Rohstoffförderung der Mine direkt zu hochwertigem Batteriematerial veredelt.

Deutschland darf jetzt keine Zeit verlieren
Deutschland muss bei kritischen Rohstoffen endlich schneller werden. Es braucht mehr Gipfel, mehr internationale Partnerschaften und vor allem konkrete Entscheidungen. Gespräche allein sichern noch keine Lieferketten. Aus Treffen wie diesem müssen Investitionen, Abnahmeverträge und neue Produktionsstandorte entstehen. Sonst droht die deutsche Industrie den Anschluss zu verlieren.
Graphit zeigt, was auf dem Spiel steht. Ohne sichere Versorgung geraten Elektroautos, Batteriespeicher und damit Tausende Arbeitsplätze unter Druck. Deutschland kann es sich nicht leisten, bei einem Schlüsselrohstoff dauerhaft von China abhängig zu bleiben.