KI-Euphorie am Kipppunkt: Bröckelt jetzt das Börsenfundament?

Schmale Marktbreite
Mit Marktbreite ist gemeint, wie viele Aktien einen Aufschwung tatsächlich tragen. Aktuell ziehen nur noch wenige sehr große Konzerne die Indizes nach oben, während ein großer Teil des Marktes bereits nachgibt. Frühere Wachstumswerte wie Oracle, Salesforce, Netflix, Palantir, Microsoft, Meta oder Amazon befinden sich nach Darstellung von Grummes inzwischen in deutlichen Korrektur- oder Bärenmarktphasen, also in Abschnitten anhaltend fallender Kurse. Damit ist gerade der Technologiesektor als zentraler Treiber des Booms anfällig geworden. Je schmaler die Basis einer Hausse, desto größer das Risiko bei einem Stimmungsumschwung.

Die Grenzen des KI-Booms
Auch bei den großen Anbietern von Rechenleistung für KI (Künstliche Intelligenz), den sogenannten Hyperscalern, zeigen sich erste Risse. Die Bewertungen seien so hoch, dass sich der Abstand zwischen dem frei verfügbaren Mittelzufluss der Unternehmen und den Indexständen kaum dauerhaft halten lasse, heißt es in der Analyse. Zugleich seien bereits sinkende Mietpreise für GPU (Graphics Processing Unit), also die spezialisierten Rechenchips für KI, sowie schrumpfende Gewinnmargen der Rechenzentren zu beobachten. Verschärfe zusätzlicher Wettbewerb aus China den Druck, dürften die Anbieter ihre Ausgaben früher oder später zurückfahren. Damit stünde einer der wichtigsten Treiber des Booms auf dem Prüfstand.

Spekulation auf Kredit
Ein weiteres Warnsignal liefert die auf Kredit finanzierte Spekulation. Gemeint sind Wertpapierkäufe, die Marktteilnehmer mit geliehenem Geld tätigen. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, gemessen am BIP (Bruttoinlandsprodukt), hat dieser Wert mit über 4 Prozent ein Allzeithoch erreicht und liegt damit über den Niveaus von August 2021, März 2000 und Juli 2007. Solange die Kurse stiegen, wirke ein solcher Hebel wie ein Beschleuniger, erläutert Grummes. Drehe der Markt, verstärke derselbe Hebel die Abwärtsbewegung, weil hoch verschuldete Marktteilnehmer im ungünstigen Moment verkaufen müssten. Historisch folgten auf derart hohe Werte regelmäßig deutliche Rücksetzer. Boom- und Bust-Phasen, also der Wechsel zwischen kräftigem Aufschwung und anschließendem Einbruch, gehören dabei zum wiederkehrenden Muster der Märkte, die selten geradlinig verliefen, sondern zwischen übertriebenem Optimismus und überzogenem Pessimismus pendelten.

Super-Börsengang und Halbleiter
Für besonderes Aufsehen sorgte der Börsengang von SpaceX. Bei einem solchen IPO (Initial Public Offering), dem erstmaligen Verkauf von Aktien an der Börse, ergab sich eine Bewertung von rund 2 Bio. US-Dollar bei einem Umsatzvielfachen von etwa 100. Eine derart hohe Bewertung sei durch die Geschäftszahlen kaum gedeckt, da ein Großteil der Erzählung auf weit in die Zukunft reichenden Projektionen beruhe. Parallel dazu legte der Halbleiter-Index binnen 14 Monaten um mehr als 230 Prozent zu. Einen vergleichbaren Anstieg habe es zuvor nur zwischen Dezember 1998 und Februar 2000 gegeben. Die Investoren Ray Dalio und Jeremy Grantham warnen entsprechend deutlich vor einem historisch teuren Markt.

Ausblick
Die Fed bleibe auf Distanz zu schnellen Zinssenkungen, halte die Leitzinsen unverändert und habe ihre Inflationsprognosen angehoben, heißt es weiter. Unter Fed-Chairman Kevin Warsh setze die Notenbank zudem weniger auf klare Vorabhinweise zur Geldpolitik. Die Märkte müssten sich daher stärker an den Daten orientieren, was die Schwankungen erhöhen dürfte. Grummes zufolge stiege das Risiko einer abrupten Neubewertung, sollten weiterhin nur wenige Schwergewichte den Markt tragen, während ein breiter Teil bereits nachgebe. Käme es zu einem Rücksetzer, dürfte der hohe Verschuldungsgrad die Bewegung zusätzlich verstärken.
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Grundlage dieses Artikels ist die Goldmarktanalyse von Florian Grummes (Midas Touch Consulting) vom 27.06.2026. Einschätzungen und Prognosen stammen von Florian Grummes.
