Gold vor neuen Chancen? Diese Marken entscheiden

Asien kauft, während der Westen zögert
Seit dem Sommerhoch bei 4.697 US-Dollar am 25. August steckt Gold in einer deutlichen Korrektur. Der Preis fiel zeitweise auf 4.110 US-Dollar und gab damit fast die gesamte Sommerrally wieder ab. Obwohl der Markt technisch überverkauft erscheint, erkennt Grummes bislang keine nachhaltige Trendwende. Die kurze Erholung überzeugt ihn noch nicht.
Gleichzeitig öffnet sich eine bemerkenswerte Lücke. Westliche Anleger und Terminmarktakteure bleiben zurückhaltend. In China und anderen asiatischen Ländern wird die Schwäche dagegen offenbar genutzt, um physisches Gold und Silber zu kaufen. Aus Grummes’ Sicht treffen damit kurzfristige Preissignale auf langfristige strategische Nachfrage. Doch welche Seite setzt sich durch?
Diese Zahlen zeigen die asiatische Kaufkraft
Zum Auslaufen des Oktober-Kontrakts wurden 11.465 Goldkontrakte über 35,66 Tonnen sowie 2.125 Silberkontrakte über 330,47 Tonnen zur Lieferung angemeldet. Seit Jahresbeginn summieren sich die Auslieferungen auf 600,6 Tonnen Gold und 9.000,65 Tonnen Silber. China importierte bis Ende August zudem 1.141 Tonnen Gold.
Hinzu kommen laut Ausgangsmaterial weitere 80 Tonnen, um die Chinas Zentralbank ihre offiziellen Reserven aufstockte. Grummes wertet diese Entwicklung als Zeichen dafür, dass große asiatische Käufer niedrige Preise zum Ausbau ihrer Bestände nutzen. Gleichzeitig können Bullionbanken bestehende Short-Positionen reduzieren und sich neutraler oder sogar positiv positionieren.

Beim Goldpreis haben die Bären noch das Kommando
Technisch bleibt das Bild aus Grummes’ Sicht angeschlagen. Die erwartete Seitwärtsbewegung zwischen der 50- und der 200-Tage-Linie blieb aus. Nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank vom 16. September scheiterte die Erholung unterhalb von 4.400 US-Dollar. Anschließend durchbrach Gold die Unterstützung an der 50-Tage-Linie und rutschte bis auf 4.110 US-Dollar.
Zuletzt bewegte sich der Preis um 4.180 US-Dollar in einer Dreiecksformation. Solche Formationen bestätigen häufig den bestehenden Trend. Deshalb sieht Grummes die Bären trotz der überverkauften Lage weiter im Vorteil. Erst ein nachhaltiger Anstieg über 4.220 US-Dollar und anschließend über 4.250 US-Dollar würde das kurzfristige Bild spürbar aufhellen.

Diese Kursmarken entscheiden
Gelingt der Ausbruch über 4.250 US-Dollar, könnte aus Grummes’ Sicht die 50-Tage-Linie bei 4.327 US-Dollar zum nächsten Ziel werden. Ein solcher Schritt würde den Verkaufsdruck bremsen und könnte die Stimmung drehen. Unterhalb von 4.200 bis 4.220 US-Dollar bleibt Gold dagegen anfällig für den nächsten Rückschlag.
Dann rückt die Bodenbildungszone zwischen 3.950 und 4.050 US-Dollar in den Fokus. Dort erwartet Grummes zwar einen größeren Erholungsversuch. Ein Rückfall in diese Zone würde das übergeordnete Chartbild jedoch weiter beschädigen und könnte das bekannte Abwärtsszenario mit Ziel 3.500 US-Dollar wieder aktivieren. Der vermeintlich kleine Rücksetzer hätte dann deutlich größere Folgen.
Gold bleibt langfristig interessant, kurzfristig aber riskant
Die Lage ist widersprüchlich: Der Abwärtstrend bleibt intakt, während asiatische Käufer große Mengen physischen Goldes aufnehmen. Aus Grummes’ Sicht ist deshalb weder Panik noch blinder Optimismus angebracht. Kurzfristig entscheiden die Marken bei 4.220 und 4.250 US-Dollar darüber, ob Gold wieder Boden gewinnt oder in Richtung 4.000 US-Dollar fällt.
Für langfristig orientierte Anleger wäre ein Rücksetzer in diese Zone nach seiner Einschätzung kein Beinbruch, sondern möglicherweise eine Kaufgelegenheit. Der säkulare Bullenmarkt bei physischen Edelmetallen sei weiterhin intakt. Doch bevor eine echte Trendwende ausgerufen werden kann, muss der Goldpreis erst beweisen, dass die Käufer wieder die Kontrolle übernehmen.
