Gold testet die 4.000-Dollar-Marke: Kommt jetzt die Sommer-Rally?

Der Test der wichtigen Schwelle
Seit dem Rekordhoch bei 5.602 US-Dollar Ende Januar befindet sich Gold in einer ausgedehnten Korrektur. Zuletzt beschleunigte sich der Rückgang spürbar. Der Zinsentscheid der Fed (Federal Reserve, die US-Notenbank) und die anschließende Pressekonferenz unter dem neuen Fed-Chairman Kevin Warsh sorgten für deutlichen Verkaufsdruck. Innerhalb weniger Tage fiel der Kurs bis auf 3.959 US-Dollar und unterschritt damit die psychologisch wichtige Schwelle von 4.000 US-Dollar. Zum Wochenschluss erholten sich die Notierungen wieder auf 4.088 US-Dollar. Damit rückt die breite Unterstützungszone rund um 4.000 US-Dollar in den Mittelpunkt.

Was die Charttechnik zeigt
Auf Wochenbasis verläuft der Kurs entlang des unteren Bollinger-Bandes, einer Schwankungsspanne, die anzeigt, wie weit sich ein Preis von seinem Durchschnitt entfernt hat. Dieses Band liegt bei 3.997 US-Dollar. Nach einem Rückgang von über 29 Prozent gilt der Markt als stark überverkauft, also so weit gefallen, dass eine Gegenbewegung wahrscheinlicher wird. Auf Tagesbasis hat der Goldpreis zudem den Kontakt zur 200-Tage-Linie verloren, dem Durchschnittspreis der vergangenen 200 Handelstage und einem Maßstab für den langfristigen Trend. Dieser liegt bei 4.474 US-Dollar. Grummes zufolge habe der Tageschart zugleich ein neues Kaufsignal gebildet, da der Momentum-Indikator im überverkauften Bereich nach oben gedreht habe. Die Erholung könne zunächst bis etwa 4.120 US-Dollar und im günstigen Fall bis 4.220 US-Dollar führen.
Mit dem Tief bei 3.959 US-Dollar wurde eine erste wichtige Rücksetzer-Marke unterschritten. Solche Marken werden aus der vorangegangenen Aufwärtsbewegung abgeleitet und dienen als Orientierung, wie weit eine Korrektur reichen kann. Die nächsten dieser Schwellen lägen laut Analyse bei 3.608 und 3.138 US-Dollar. Auffällig sei zugleich, dass die Verkäufer trotz des jüngsten Drucks insgesamt nur langsam vorankämen.

Profis bleiben vorsichtig, Stimmung neutral
Einen Blick auf die Marktteilnehmer erlaubt der COT (Commitments of Traders), ein wöchentlicher Bericht der US-Aufsichtsbehörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission) über die Positionen am Terminmarkt. Demnach hielten die kommerziellen Händler zum 16. Juni eine Short-Position, also eine Wette auf fallende Kurse, von 207.563 Kontrakten. Diese Positionierung wurde trotz des Kursrückgangs kaum abgebaut und liegt im langfristigen Vergleich erhöht. Die Stimmung unter den Marktteilnehmern bewegt sich laut dem Stimmungswert Optix mit 58 Punkten im neutralen Bereich. Die zuvor euphorische Erwartungshaltung sei damit vollständig abgebaut, erläutert Grummes.

Das saisonale Muster
Historisch findet der Goldpreis nach der Frühjahrskorrektur häufig im Juni oder Juli einen Boden und erholt sich anschließend bis in den September. Besonders der August zeige in der langjährigen Betrachtung eine starke Entwicklung, heißt es in der Analyse. Die saisonale Ampel wechsle daher allmählich von Rot über Orange und ab Mitte Juli auf Grün. Die erratischen Kursbewegungen der vergangenen Wochen könnten den Wendepunkt bereits eingeleitet haben.

Ausblick
Grummes zufolge könnte das kurze Unterschreiten der 4.000-Dollar-Marke bereits das frühsommerliche Tief markiert haben. Setze sich die Erholung durch, ließe sich daraus eine Sommer-Rally entwickeln, die zunächst den Bereich zwischen 4.400 und 4.500 US-Dollar ansteuern würde. Von einem nachhaltigen Ausbruch mit Kursen klar oberhalb von 4.550 US-Dollar sei er allerdings noch nicht überzeugt. Gut möglich wäre vielmehr, dass die Korrektur danach zunächst weiterliefe. Käme es zuvor noch zu einem letzten Rücksetzer, könnte dieser den Kurs bis in den Bereich um 3.840 US-Dollar drücken. Im ungünstigsten Fall bliebe sogar das Szenario um 3.500 US-Dollar bestehen.
Grundlage dieses Artikels ist die Goldmarktanalyse von Florian Grummes (Midas Touch Consulting) vom 27.06.2026. Einschätzungen und Prognosen stammen von Florian Grummes.
