Gold bei 20.000 Dollar: Wird diese verrückte Theorie bald Realität?

Die Prognose steht auf zwei Modellen
Crescat Capital leitet das Kursziel aus zwei makroökonomischen Modellen ab. Das erste vergleicht die globale M2-Geldmenge mit dem oberirdischen Goldbestand. Dahinter steht eine einfache Rechnung: Geld kann durch Kreditvergabe und Notenbankpolitik schnell wachsen. Gold wächst nur langsam.
Aus dieser Differenz ergibt sich für Crescat ein mögliches Ziel von 20.000 Dollar je Feinunze in etwa vier Jahren. Die Gesellschaft verweist aber darauf, dass sich dieser Zeitplan verkürzen könnte, falls die globale Geldmenge durch Defizite, geopolitische Spannungen oder fiskalische Ungleichgewichte schneller steigt.

Warum Gold in dieser Rechnung knapp bleibt
Laut Crescat ist der oberirdische Goldbestand über 113 Jahre nur um 1,5 Prozent pro Jahr gewachsen. Die globale M2-Geldmenge in Dollar gerechnet sei dagegen über 22 Jahre um 7,0 Prozent pro Jahr gestiegen. Diese Differenz ist der Kern des ersten Modells.
Gold lässt sich nicht beliebig vermehren. Neue Vorkommen müssen entdeckt, geprüft, finanziert, genehmigt und gefördert werden. Das dauert Jahre. Wenn die Geldmenge schneller wächst als das verfügbare Gold, steigt aus Sicht von Crescat der Druck auf den Preis.
Zentralbanken kaufen doppelt so viel Gold wie früher
Ein weiteres Argument liefert die Nachfrage der Zentralbanken. Laut Crescat kauften sie in den vergangenen vier Jahren im Schnitt 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. In der Dekade davor waren es durchschnittlich 500 Tonnen.
Crescat wertet diese Entwicklung als Zeichen, dass Gold wieder stärker als strategische Reserve dient. Genannt werden Krisenschutz, Diversifikation, Inflationsschutz und Absicherung gegen geopolitische Risiken. Besonders wichtig: Zentralbanken sind seit der Finanzkrise Netto-Käufer von Gold, mit China als größtem Käufer.

Das zweite Modell ist ein Crash-Modell
Beim zweiten Modell geht Crescat ausdrücklich von einem schweren Einbruch am US-Aktienmarkt aus. Die Annahme lautet: Der S&P 500 fällt um 50 Prozent, der Dollar wertet danach ab, und das Verhältnis von Gold zum Aktienmarkt steigt stark an.
Das ist kein normaler Rückgang. Ein Minus von 50 Prozent wäre ein massiver Crash. Crescat verweist darauf, dass frühere Spitzen im Gold-zu-S&P-500-Verhältnis durch Börsencrashs von hohen Aktienbewertungen aus und durch deutliche Dollarabwertungen ausgelöst wurden.

Wie daraus 20.000 Dollar werden
Crescat kombiniert in diesem Modell einen halbierten S&P 500 mit einem Gold-zu-S&P-500-Multiple von 5,25. Dieser Wert liegt unter dem Hoch von 1980, aber leicht über dem Niveau von 1933. Aus dieser Kombination ergibt sich ebenfalls das Ziel von 20.000 Dollar.
Damit hängt die Rechnung an einer klaren Kette: hohe Aktienbewertungen, starker Markteinbruch, schwächerer Dollar und eine Flucht in Gold. Ohne ein solches Stress-Szenario trägt das zweite Modell nicht.
Warum Crescat auf Minenaktien setzt
20.000 Dollar Gold klingt spektakulär. Crescat liefert dafür eine nachvollziehbare, aber sehr aggressive These: mehr Geld, knappes Gold, starke Zentralbankkäufe und im zweiten Modell ein echter Crash am US-Aktienmarkt.
Wenn Crescats Szenario aufgeht, würden höhere Goldpreise nicht nur den Metallpreis selbst betreffen. Sie könnten auch Projekte neu bewerten, die heute noch klein wirken, aber bereits Ressourcen, Infrastruktur oder einen Weg zur Produktion haben. Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich solche Goldstories aufgebaut sein können.
Blue Jay Gold: Hochgradige Goldstory im Yukon
Blue Jay Gold entwickelt nach eigenen Angaben mit dem Steller Gold-Projekt eine hochgradige Gold- und Silber-Story im Yukon. Das Projekt liegt nur wenige Kilometer von Whitehorse entfernt und ist vollständig über Straßen erreichbar. In einer abgelegenen Region wie dem Yukon ist das ein wichtiger Punkt, weil Infrastruktur über Kosten, Tempo und Machbarkeit entscheiden kann.
Nach Unternehmensangaben verfügt Steller bereits über eine Ressource von rund 900.000 Unzen Goldäquivalent mit durchschnittlichen Gehalten von etwa 6 bis 9 g/t AuEq. Dazu kommen historische Infrastruktur, umfangreiche Bohrarbeiten und ein großes Landpaket mit weiterem Explorationspotenzial. CEO Geordie Mark sagt, man sehe starkes Potenzial, die Ressource zu erweitern und weitere Entdeckungen im Projektgebiet zu erschließen.
ESGold: Cashflow zuerst, Exploration danach
Ein anderes Profil zeigt ESGold. Das Unternehmen setzt beim Montauban-Projekt in Québec nach eigenen Angaben auf die Wiederaufbereitung historischer Tailings, also alter Aufbereitungsrückstände. Die Anlage ist vollständig genehmigt und soll ab 2026 Produktion liefern. Damit verfolgt ESGold einen Ansatz, der im Junior-Sektor auffällt: möglicher Cashflow, bevor eine klassische neue Mine gebaut werden muss.
CEO Gordon Robb beschreibt die Priorität des Unternehmens entsprechend klar: Erst Produktion erreichen, dann mit diesem Cashflow das volle Explorationspotenzial von Montauban erschließen. Der zweite Hebel liegt also in der Tiefe des Projekts. Sollte ESGold dort ein größeres System nachweisen, könnte aus einem Reprocessing-Projekt ein breiterer Wachstumswert entstehen.