Experte schlägt Alarm: Milliarden fließen ins Metall, doch die Minen von morgen fehlen

Wie Fonds den Metallmarkt umgekrempelt haben
Wer vor dem Jahr 2000 auf steigende Metallpreise setzen wollte, kaufte Aktien von Minenfirmen. Heute geht das einfacher: über ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, mit denen Anleger direkt an Kupfer, Uran oder Gold beteiligt sind. Christopher Berlet, der die Entwicklung dieser Fonds seit Jahren systematisch verfolgt, datiert den Startschuss auf das Jahr 2004. Damals kam mit einem Gold-ETF das erste derartige Produkt auf den Markt. Heute stecke in diesem einen Fonds mehr als 60 Milliarden US-Dollar, rechnet er vor.
Seither sei die Zahl regelrecht explodiert. Weltweit zählt Berlet inzwischen 284 Metall- und Bergbau-ETFs. Zeitweise hätten diese Fonds fast eine Billion US-Dollar auf sich vereint, nach den jüngsten Preisrückgängen seien es noch rund 700 Milliarden. Das übersteige selbst die größten Gold- und Metallkonzerne um ein Vielfaches, betont der CEO.
Warum das Geld nicht dort ankommt, wo es gebraucht wird
Genau hier liegt aus Sicht des Managers ein Problem. Kauft ein Anleger etwa einen Nickel-ETF, wandert das entsprechende Metall in ein Lager, es entsteht neue Nachfrage. Nur fließe von diesem Geld kaum etwas in die Suche nach neuen Vorkommen. Die Folge sei eine seit zwanzig Jahren chronische Unterinvestition in die Exploration, also in die frühe Phase, in der Geologen überhaupt erst nach Lagerstätten suchen.
Verschärft werde das durch eine rasant steigende Nachfrage. Kupfer und Nickel würden für die Energiewende gebraucht, kritische Rohstoffe wie Antimon zunehmend auch für militärische Zwecke, schildert Berlet. Er verweist darauf, dass sogar die NATO 2024 eine eigene Liste kritischer Rohstoffe veröffentlicht habe. Der Bedarf sei damit nicht mehr nur wirtschaftlich, sondern auch strategisch.
Gewinner der ersten Jahreshälfte
Am besten hätten Lithium und Zinn abgeschnitten. Der Zinnpreis sei in der ersten Hälfte 2026 in der Spitze um 70 Prozent gestiegen, getrieben vom Boom bei Künstlicher Intelligenz und Halbleitern. Ein Lithium-ETF habe nach zwei schwachen Jahren um rund 30 Prozent zugelegt. Am schwächsten liefen dagegen die Platingruppenmetalle, in Japan zusätzlich belastet durch die schwache heimische Währung.
Zehn neue Fonds seien im ersten Halbjahr hinzugekommen, darunter Produkte für Kernenergie, Seltene Erden und ein digitaler Gold-ETF aus China. Vermögensverwalter sprängen damit auf den Trend auf, räumt der CEO ein. Doch bei der eigentlichen Rohstoffsuche komme davon weiterhin wenig an. Für ihn liegt darin eine deutliche Fehlbewertung: Explorationsprojekte seien im Verhältnis zu den Metallpreisen dramatisch unterbewertet.
Auf der Spur eines seltenen Lagerstättentyps
Berlet bleibt nicht bei der Analyse. Als Chef von Canuc Resources sucht er selbst nach solchen Projekten, rund 20 Kilometer östlich des Bergbaudistrikts Sudbury in der kanadischen Provinz Ontario. Kanada gilt ihm als sichere und verlässliche Region für die Minenentwicklung. Das Unternehmen ist einem sogenannten IOCG-System auf der Spur. Die Abkürzung steht für eisenoxidreiche Kupfer-Gold-Lagerstätten, einen Typ, der neben Kupfer und Gold oft auch weitere Metalle enthalten kann. In seinem Fall erwartet das Management dort zusätzlich Nickel, Kobalt und Platingruppenmetalle, also eine Kombination, die für die Energiewende besonders gefragt sei.
Was in den nächsten Wochen ansteht
Die Ergebnisse erwartet Berlet in vier bis fünf Wochen. Sie sollen zunächst konkrete Bohrziele definieren und damit die Grundlage für die nächsten Explorationsschritte im Herbst schaffen. Entscheidend wird anschließend sein, ob die geplanten Bohrungen die bisherigen geologischen Hinweise bestätigen können.
Berlet sieht in den anstehenden Auswertungen einen wichtigen Meilenstein für die weitere Entwicklung des Projekts und verweist zugleich darauf, dass er zu den aktuellen Kursen regelmäßig eigene Aktien kaufe. Bis zu einem möglichen Fund ist es jedoch noch ein längerer Weg: Erst die weiteren Untersuchungen und Bohrprogramme werden zeigen, wie belastbar das bislang identifizierte Potenzial tatsächlich ist.
