Aus giftigen Rückständen sollen schon 2026 Goldbarren werden

Angst an den Märkten
Der Goldpreis lag zeitweise bei rund 5.500 Dollar je Feinunze und bewegt sich nun um die 4.000 Dollar. Viele kleinere Minengesellschaften, sogenannte Junior-Miner, seien in den vergangenen Monaten deutlich abverkauft worden. Als Grund nennt Gordon Robb, CEO von ESGold, die Unsicherheit durch einen Kriegskonflikt und steigende Energiepreise, wodurch Anleger früher als sonst üblich aus dem Sektor ausgestiegen seien. Genau diese Apathie am Markt sieht er als Chance für langfristig orientierte Investoren, da viele Aktien aus seiner Sicht deutlich unter Wert gehandelt würden.
Wenn aus Giftschlamm Gold wird
ESGold verfolgt laut Unternehmensangaben ein untypisches Konzept für die Branche. Statt allein auf neue Bohrergebnisse zu setzen, will das Unternehmen zunächst sogenannte Tailings verarbeiten. Das sind Rückstände aus früherem Bergbau, die als giftiger Schlamm auf der Oberfläche des Montauban-Projekts in Québec lagern und laut Robb die gleichnamige Gemeinde seit Jahren belasten. Aus diesem Material sollen Gold, Silber und Glimmer, ein industriell genutztes Mineral, gewonnen werden. Der CEO nennt dies ein "nicht verwässerndes Modell", da die entstehenden Einnahmen laut Management die weitere Exploration finanzieren sollen, ohne dass ständig neue Aktien ausgegeben werden müssen. Das Projekt sei vollständig genehmigt und finanziert, der Produktionsstart werde für das Jahresende 2026 angestrebt.

Countdown zur ersten Goldschmelze
Laut dem Management wird derzeit eine 20.000 Quadratfuß große Verarbeitungsanlage samt Labor errichtet, ausgelegt auf eine Kapazität von 1.000 Tonnen pro Tag. Im Zentrum steht ein sogenanntes Merrill-Crowe-System, ein Verfahren zur Schwerkrafttrennung, mit dem Glimmer aus dem Material entfernt wird. Wichtige Anlagenteile, etwa ein Doré-Ofen zum Einschmelzen der Gold-Silber-Legierung, seien laut Robb bereits eingetroffen. Das Unternehmen habe zudem einen französischsprachigen Ingenieur mit Übersetzer nach China entsandt, um die Fertigung zentraler Bauteile zu überwachen. Als größte Risiken nennt der CEO mögliche Lieferverzögerungen und Fertigungsfehler bei der Ausrüstung. Das Standortrisiko schätzt er dagegen als gering ein, da Québec als eine der bergbaufreundlichsten Regionen Kanadas gilt.

Das Montauban-Projekt befindet sich in Québec, rund 80 Kilometer von Québec City und 60 Kilometer von Trois-Rivières entfernt. Der Standort profitiert von günstiger Wasserkraft, qualifizierten Arbeitskräften und einem bergbaufreundlichen Umfeld mit starker lokaler Unterstützung.
15 Millionen Dollar Cashflow im Jahr
Grundlage der Planung ist eine sogenannte PEA (Preliminary Economic Assessment, eine wirtschaftliche Vorstudie), die im August 2025 aktualisiert wurde. Sie rechnet mit einem Goldpreis von 2.900 US-Dollar und einem Silberpreis von 32 US-Dollar, deutlich unter dem aktuellen Marktniveau. Auf dieser Basis weist die Studie laut Unternehmensangaben einen Kapitalwert (NPV) von 44,5 Millionen Dollar bei 5 Prozent Diskontierungssatz sowie einen freien Cashflow von 15 Millionen Dollar pro Jahr aus.
Rund eine Million Tonnen Tailings liegen demnach bereits an der Oberfläche, das Unternehmen sei für eine Verarbeitung von bis zu 1.000 Tonnen täglich beziehungsweise 300.000 Tonnen jährlich genehmigt. Die Marktkapitalisierung lag zum Zeitpunkt des Gesprächs bei rund 50 Millionen kanadischen Dollar.
Die Suche nach der größeren Lagerstätte
Montauban war schon früher aktive Mine. Zwischen 1913 und 1990 wurden dort laut Unternehmenspräsentation insgesamt rund 149.400 Unzen Gold und über 6,9 Millionen Unzen Silber sowie Zink und Blei gefördert. Die tiefste bekannte Bohrung erreichte nach Robbs Angaben nur 200 Meter, weiterführende Erkundungsbohrungen habe es nie gegeben. Ein neues 3D-Modell auf Basis geophysikalischer Messungen zeige laut Management einen mineralisierten Korridor, der sich über rund 900 Meter in die Tiefe und mehr als zwei Kilometer entlang des Streichens erstrecke und über die bisher untersuchten Grenzen hinausgehe. Das Unternehmen habe sein Claim-Gebiet daraufhin auf 485 Claims mit rund 244 Quadratkilometern ausgeweitet. Eine erste eigene Bohrkampagne sei für den Sommer 2026 geplant, sobald die entsprechenden Genehmigungen vorliegen.
Ausblick
Laut Robb dürften Aktionäre in den nächsten Wochen und Monaten Updates zur Mobilisierung der Bohrmannschaften, zum Baufortschritt sowie erste Bohrergebnisse im Herbst erwarten. Parallel soll die Anlage weiter fertiggestellt werden, mit dem Ziel des ersten sogenannten "Pours", also des ersten produzierten Goldbarrens. Wie bei jedem Explorations- und Frühphasenprojekt bleiben Verzögerungen und technische Risiken möglich, worauf auch das Management selbst hinweist. Wie sich diese Pläne umsetzen lassen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.