Mega-Engpass bei Silber: 1,3 Milliarden Unzen Silber-Defizit

Hinter dem Preissturz öffnet sich eine historische Lücke
Wie Money Metals unter Berufung auf Michael DiRienzo vom Silver Institute berichtet, bleibt der Silbermarkt trotz des Preissturzes fundamental stark. Seit dem Allzeithoch in diesem Jahr fiel Silber von 121 auf rund 65 Dollar je Unze. Das wirkt dramatisch. Doch noch vor wenigen Jahren kostete die Unze häufig weniger als 17 Dollar. Der Markt bewegt sich heute auf einem völlig anderen Niveau.
Noch stärker ist das Signal aus den Marktdaten von Metals Focus und dem Silver Institute. Werden börsengehandelte Produkte einbezogen, summieren sich die Defizite von 2020 bis einschließlich der Prognose für 2026 auf rund 1,323 Milliarden Unzen. Diese Zahl stellt den Kurssturz in den Schatten. Denn während der Preis schwankt, wächst im Hintergrund eine gewaltige Versorgungslücke.
Das entspricht rund 41.000 Tonnen Silber. Würde man diese Menge einschmelzen und auf einem normalen Fußballfeld verteilen, könnte man das komplette Spielfeld rund einen halben Meter hoch mit massivem Silber bedecken. Und genau diese Menge hat sich rechnerisch zwischen 2020 und 2026 als Defizit in der Marktbilanz angesammelt.

Das Defizit bedeutet nicht, dass kein Silber mehr da ist
Ohne die Zu- und Abflüsse börsengehandelter Produkte fällt das Defizit deutlich kleiner aus. Von 2021 bis 2026 summieren sich die jährlichen Fehlmengen auf rund 762 Millionen Unzen. Rechnet man den Überschuss von 53 Millionen Unzen aus dem Jahr 2020 dagegen, bleibt für den gesamten Zeitraum immer noch ein Minus von etwa 709 Millionen Unzen. Werden die Investmentströme mit einbezogen, wächst die kumulierte Lücke auf mehr als 1,3 Milliarden Unzen.
Dabei bedeutet ein Defizit nicht, dass dieses Silber plötzlich „verschwunden“ ist. Es heißt vielmehr, dass Minenproduktion und Recycling die Nachfrage nicht vollständig decken können. Die fehlenden Mengen müssen deshalb aus bereits vorhandenen Beständen kommen. Genau das ist der entscheidende Punkt: Nicht wie viel Silber insgesamt existiert, sondern wie viel davon tatsächlich noch frei verfügbar und verkäuflich ist.

Solar benötigt fast dreimal so viel Silber
Die Solarindustrie hat ihren Anteil am industriellen Silberverbrauch innerhalb eines Jahrzehnts fast verdreifacht. 2014 entfielen etwa 11 Prozent der industriellen Nachfrage auf Photovoltaik. 2024 waren es bereits knapp 30 Prozent. Silber wird für die leitfähigen Kontakte der Solarzellen benötigt und ermöglicht den zuverlässigen Transport des erzeugten Stroms.
Zwar versuchen Hersteller, den Silberanteil pro Solarzelle zu reduzieren. Ein vollständiger Ersatz bleibt jedoch schwierig, weil kein anderes Metall Strom besser leitet. Gleichzeitig wächst der weltweite Ausbau der Solarenergie. Jede Einsparung pro Zelle trifft deshalb auf eine steigende Zahl neuer Module. Dieser Wettlauf könnte den Silberverbrauch dauerhaft hoch halten.
KI könnte den nächsten Nachfrageschub auslösen
Künstliche Intelligenz schafft einen weiteren möglichen Großverbraucher. Rechenzentren benötigen leistungsfähige Elektronik, elektrische Kontakte und Leitungen, in denen Silber eingesetzt wird. Laut DiRienzo sind Rechenzentren innerhalb von drei Jahren um mehr als 6.000 Prozent gewachsen. Wie viel zusätzliches Silber dieser Ausbau verschlingt, lässt sich bislang jedoch nicht zuverlässig beziffern.
Gerade diese Unsicherheit birgt Sprengkraft. Der Silbermarkt schreibt bereits Defizite, bevor der zusätzliche Verbrauch durch KI-Rechenzentren vollständig messbar ist. Gleichzeitig bleibt das Metall in medizinischen Instrumenten, antibakteriellen Beschichtungen, Textilien und der Wasseraufbereitung gefragt. Silber ist damit nicht nur ein Anlageprodukt, sondern ein kaum ersetzbarer industrieller Rohstoff.
Anleger konkurrieren mit der Industrie
Das Silver Institute erwartet, dass die Nachfrage nach Münzen und Barren 2026 um etwa 7 Prozent steigt. Börsengehandelte Silberprodukte verbuchten 2025 Nettozuflüsse von rund 270 Millionen Unzen. Infolge der geopolitischen Spannungen seien die Bestände 2026 zwar um etwa 6 Prozent gefallen, doch die Investitionsaktivität ziehe bereits wieder an.
Gleichzeitig erweitert sich die Nutzung jenseits klassischer Industrieanwendungen. Silber dient als Basis für vergoldeten Schmuck und wird wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften in Operationssälen, Instrumenten, Textilien und der Wasseraufbereitung eingesetzt. Nanosilber könnte künftig sogar die präzise Dosierung von Medikamenten unterstützen. Der Markt wird nicht nur größer, sondern vielseitiger.
Silber ist nicht mehr der alte 15-Dollar-Markt
2017 lag der durchschnittliche Silberpreis bei 17,05 Dollar. 2023 waren es 23,35 Dollar, 2024 bereits 28,27 Dollar und 2025 rund 40 Dollar. Für 2026 hält DiRienzo einen Durchschnitt von mehr als 70 Dollar für möglich. Diese Entwicklung lässt sich nicht allein mit Spekulation erklären.
Das entscheidende Signal kommt aus der Kombination: sinkende Minenproduktion, ein sechstes Angebotsdefizit, begrenzt verfügbare Lagerbestände und neue Nachfrage aus Solarenergie, KI und Medizin. Silber bleibt volatil. Doch der Markt, der früher Preise von 13 oder 15 Dollar kannte, existiert so nicht mehr. Entscheidend ist nun, wie lange das Angebot dem neuen Bedarf noch folgen kann.
750 Millionen Unzen täuschen über die Knappheit
2017 kostete eine Unze Silber im Jahresdurchschnitt 17,05 Dollar. Bis 2023 stieg der Preis auf 23,35 Dollar, 2024 auf 28,27 Dollar und 2025 auf rund 40 Dollar. Für 2026 hält DiRienzo sogar einen Durchschnitt von mehr als 70 Dollar für möglich. Hinter diesem Anstieg steckt mehr als kurzfristige Spekulation.
Die Minenproduktion wächst kaum, während die Nachfrage aus Solarenergie, KI und Medizin zunimmt. Gleichzeitig verzeichnet der Markt das sechste Angebotsdefizit in Folge und große Teile der Lagerbestände sind bereits gebunden. Preisschwankungen bleiben damit wahrscheinlich. Eine Rückkehr zum früheren Silbermarkt mit Preisen von 13 oder 15 Dollar erscheint jedoch immer unwahrscheinlicher.
Silver Mines: Bowdens rückt näher
Genau deshalb werden weit entwickelte Projekte interessant, die künftig zusätzliches Silberangebot liefern könnten. Nach Angaben von Silver Mines zählt das australische Bowdens-Projekt zu den größeren unentwickelten Silberprojekten. Die neue Machbarkeitsstudie weist laut Unternehmen 93,5 Millionen Unzen Silberreserven aus; rund 91 Prozent der erwarteten Umsätze sollen aus Silber stammen. Das Management rechnet in der ersten Entwicklungsstufe mit einer Laufzeit von rund 16 Jahren und in den ersten fünf Jahren mit durchschnittlich 4,7 Millionen Unzen Jahresproduktion. Damit wäre Bowdens aus Sicht des Unternehmens stark auf genau jenes Metall ausgerichtet, bei dem sich seit Jahren Angebotsdefizite zeigen. Der nächste entscheidende Prüfpunkt bleibt die erneute Entwicklungsgenehmigung in New South Wales.
Defiance sucht Silber im historischen Zentrum
Während Silver Mines bereits die Entwicklung einer möglichen Mine vorantreibt, setzt Defiance Silver früher in der Versorgungskette an: bei der Entdeckung und Erweiterung neuer Silbervorkommen. Nach Angaben von Defiance Silver hält das Unternehmen inzwischen 100 Prozent der San-Acacio-Liegenschaft im historischen Silberdistrikt Zacatecas, die einen Teil des bekannten Veta-Grande-Systems umfasst. Jüngste Bohrungen lieferten laut Unternehmen unter anderem 0,35 Meter mit 1.470 Gramm Silber pro Tonne sowie weitere hochgradige Treffer. Das Management will mit dem laufenden 10.000-Meter-Bohrprogramm die bekannten Strukturen erweitern und die Grundlage für eine aktualisierte Mineralressourcenschätzung schaffen. Genau diese weitere Definition des Silberpotenzials ist der nächste entscheidende Prüfpunkt.


