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Gold und Silber: Altbewährte „Hausmittel“ im Kampf gegen die Inflation

Die Inflation in der Eurozone steigt und sie steigt in einem Tempo, das so hoch ist, dass sich viele Menschen derzeit fragen, ob das gutgehen kann. Die Zweifel sind berechtigt, denn beim letzten Mal, als eine so hohe Teuerung zu bekämpfen war, waren die Voraussetzungen ganz andere. Damals schrieb man noch das Jahr 1980. Der neue US-Präsident Ronald Reagan war erst seit einem Jahr im Amt und der Leitzins der US-Notenbank lag bei hohen 13 Prozent.

Er lag damit deutlich über der Inflationsrate, die damals von den Statistikern ermittelt wurde und das deutlich höhere Zinsniveau, dass der neue FED-Chef Paul Volcker unmittelbar nach seinem Amtsantritt durchsetzte, trug wesentlich dazu bei, dass die Kraft der Inflation gebrochen werden konnte.

Natürlich ging dies nicht ohne Schmerzen. Doch es ging, weil der Zinssatz über und nicht unter der Teuerung lag. Das war in den vorangegangenen Jahren lange Zeit nicht der Fall gewesen und hierin liegt ein Grund, warum sich die 1970er Jahre zum Jahrzehnt der Stagflation, also einer Dekade mit hoher Inflation und sehr niedrigem Wirtschaftswachstum entwickelten.  

Gold: Seit über 5.000 Jahren von vielen Kulturen als Schmuck und Wertspeicher geschätzt

Wer zu spät kommt, den bestraft der Kaufkraftverlust

Eine wichtige Erfahrung der damaligen Zeit war, dass die Inflation solange nicht nachhaltig bekämpft werden konnte, solange die Zinsen unter der Teuerung lagen. Über Jahre hinweg hatten die Notenbanker sich geweigert, diesen Zusammenhang anzuerkennen und die notwendigen Konsequenzen aus ihm zu ziehen.

Diese Weigerung und der mit ihr verbundene Glaube, man könne durch Abwarten der Gefahr entkommen, weil diese nur vorübergehend sei und sich mit der Zeit von alleine auflösen wird, dürfte uns heute recht bekannt vorkommen. Gerade hier in Europa, denn die Europäische Zentralbank erweckt derzeit nicht den Anschein, als sei sie ernsthaft gewillt, sich ihrem einzigen Mandat, der Preiswertstabilität, zu widmen.

Die Inflation liegt in den meisten Ländern der Eurozone bei über sieben Prozent, die Erzeugerpreise verzeichnen sogar Anstiege von 20 bis 30 Prozent, doch der Zinssatz innerhalb der Eurozone ist immer noch negativ. Kaltblütiger kann eine Enteignung kaum vollzogen werden. 

Der geldpolitische Sündenfall des Jahres 1971 wurde nicht mehr korrigiert

Die 1970er Jahre waren von einer sehr lockeren Geldpolitik geprägt. Zunächst beendete US-Präsident Richard Nixon am 15. August 1971 die Konvertierbarkeit von US-Dollar in Gold. Seitdem ist das Fiat-Money-Geld der Notenbanken nur noch durch das Vertrauen der Bevölkerung in diese gedeckt.

Gleichzeitig erhöhten die Staaten ihre Ausgaben, indem sie Kredite aufnahmen. Die Gefährlichkeit dieses Schritts wurde offensichtlich, als im Oktober 1973 der Jom-Kippur-Krieg ausbrach und die arabischen Staaten ein Ölembargo gegen die westlichen Unterstützer Israels aussprachen.

Öl verteuerte sich anschließend ähnlich dramatisch wie wir es jetzt wieder erleben. Die Folge waren Inflationsraten wie sie die Welt lange nicht mehr gesehen hatte. Anders als heute stieg in den 1970er Jahren auch die Arbeitslosigkeit stark an. Aktuell hat der Arbeitsmarkt noch nicht negativ auf die starken Preisanstiege reagiert. 

Buchhalter können Schulden bis in alle Ewigkeit korrekt verbuchen, die Masse der Bevölkerung erwartet jedoch ihre Rückzahlung

Zwar haben einige Notenbanken wie die amerikanische Federal Reserve Bank bereits begonnen, die Zügel zu straffen und einen Zinserhöhungszyklus einzuleiten, doch trotz dieser Verschärfungen ist das Zinsniveau immer noch ausgesprochen niedrig und die Geld- und Finanzpolitik bleibt ausgesprochen expansiv.

Hier wirkt die Modern-Montary-Theory (MMT) nach. Für sie sind Schulden nur ein buchhalterischer Aspekt, den man im Zweifelsfall vernachlässigen kann. Deshalb fühlen sich heutige Politiker trotzt deutlicher höherer Schulden und eines deutlich höheren Verschuldungsgrad wesentlich wohler als in ihrer Haut die in den 1970er und frühen 1980er Jahren aktiven Politiker.

Ein Problem könnte der MMT und ihren Verfechtern jedoch spätestens dann entstehen, wenn deutlich wird, dass die Bevölkerung Schulden nicht nur als ein buchhalterisches Problem betrachtet, sondern konkret ihre Rückzahlung einfordert und zwar mit Geld, das immer noch Kaufkraft hat. 

Silber: Industrie- und Edelmetall

Die Gretchenfrage unserer Zeit: Wie hältst du es mit der Realrendite?

Ob das alles gutgehen kann, ist daher eine berechtigte Frage. In den 1970er Jahren ging es lange Zeit nicht gut. Erst als die Zinsen massiv angehoben wurden, wendete sich das Blatt. Bis dahin verloren die meisten Anlagen deutlich an Wert. Anleihen brachten eine negative Realrendite, Sparguthaben und Versicherungen wurden durch den Kaufkraftverlust ebenfalls entwertet und weil die Unternehmen immer weniger verdienten, waren die 1970er Jahre am Ende auch für die Aktien ein verlorenes Jahrzehnt.

Einzige Ausnahme waren an dieser Stelle die Aktien der Gold- und Silberproduzenten. Sie stiegen zusammen mit den Preisen für die beiden Edelmetalle. Gold, das zu Beginn des Jahrzehnts noch zu einem Preis von 35 US-Dollar fix an die amerikanische Währung gekoppelt war, kostete am Ende des Jahrzehnts in der Spitze bis zu 850 US-Dollar.

Noch krasser war der Anstieg beim Silber. Sein Preis stieg von unter fünf auf 50 US-Dollar. Verantwortlich dafür war auch die Spekulation der Hunt-Brüder in den USA. Doch diese konnte nur deshalb aufgehen, weil viele Menschen von der Schwindsucht des Geldes abgestoßen waren und nach bleibenden Alternativen und einem echten Wertaufbewahrungsmittel für ihre Ersparnisse suchten. 

Anlagen mit negativer Realrendite könnten in Zukunft wieder allgemein gemieden werden

Dieser kritische Moment ist aktuell noch nicht erreicht, denn noch gibt es keine Kaufpanik, bei der am Ende von der Bevölkerung alles gekauft wird, nur um das sich beständig entwertende Geld, das man in den Händen hält, möglichst schnell wieder loszuwerden.

Noch kann das Gold von der Inflation nicht profitieren, denn die meisten Menschen vertrauen noch den Worten der Notenbanken und jenen Anlageformen, die in den vergangenen Jahren hohe Gewinne abgeworfen haben. Deshalb ist das Interesse an Aktien und Kryptocoins wie dem Bitcoin weiterhin hoch, während Gold und Silber von den Anlegern recht stiefmütterlich behandelt werden.

Wie lange mag das noch so bleiben? Das ist schwer zu sagen. Das Geschehen ist in etwa mit dem an einem jedem Morgen, zu vergleichen: Die Einen wachen schon um fünf Uhr oder noch früher auf, wenn es noch dunkel ist, und die Letzten erst um 11.30 Uhr. Mit der Inflation und der zentralen Frage, wie man ihr entgeht und seine hart erarbeiteten Ersparnisse schützen kann, könnte es ähnlich sein.

Auch hier dürften die Anleger, die frühzeitig reagieren, am Ende jene sein, die den geringsten Schaden davontragen werden.